Bluff

Mein Haupthobby ist Töpfern seit ich 20 Jahre alt bin. Ich besitze eine kleine Töpferei, bestehend aus elektrischer Drehscheibe mit Drehtellern, einem Pult mit Gipsplatten um geschlämmten Ton zu trocknen zwecks Wiederverwendung, einem fahrbaren Trockengestell, einigen Büchergestellen, etlichen Glasurzutatenpulversäcken und natürlich einem kleinen Töpferofen.

In der Vergangenheit habe ich für mich getöpfert, für Geschenke, wenig auf Bestellungen und zwei Kirchgemeinden haben von meiner Töpferei ihre Abendmahleinzelkelche. Darauf bin ich ein bisschen stolz.

Ich denke es sind mindestens 2 bis 4 Jahre, dass ich nicht mehr getöpfert habe. Ich konnte einfach nicht mehr, obwohl ich es gern getan hätte und es finden sich immer Menschen, die an den Töpfereien Freude haben. Vor dem Umzug war es ein seriös diskutiertes Thema, ob ich die Töpferei liquidieren solle, weil ich sie eben nie mehr gebraucht habe. Es ist eines, krank sein zu müssen oder behindert oder fehlbehandelt. Es ist dann etwas ganz anderes die Töpferei liquidieren zu müssen, obwohl ich altersmässig überhaupt nicht soweit bin. Solches hätte mich zusätzlich kaputt und krank gemacht. Also habe ich die Töpferei bei mir belassen.

In meiner neuen Wohnung steht sie ganz unschuldig im grössten Zimmer. Mein Assistent hat alles gewaschen und ich habe sie bis heute nicht beachtet.

Aber heute, heute Bluff sei Dank habe ich zwei kurze Töpfersessionen gehabt, habe zwei Tassen gedreht und das ging auf Anhieb. Echt, manchmal ist das Leben freundlich zu mir. Bitte morgen nochmals.

 

 

Schrei!

Spix, wer anders als Spix hat Kartoffeln auf den Ohren und das Resultat ist ohrenbetäubend.

Spix ist mehrheitlich immer dort, wo ich bin. Aus ihrer Sicht ist es irre interessant, wenn ich den Kühlschrank öffne, erfahrungsgemäss hat es ab und zu Frischfutter für sie. Heute bin ich vom Reiten spät nach hause gekommen, habe Hunger und will mir was fürs Mittagessen wärmen. Ich realisiere Spix und warne nach guter Gewohnheit mit einem freundlichen „Achtung“ bevor ich die Kühlschranktüre schliesse.

Was dann geschieht, tönt wie ein mittlerer Alptraum: Sekundenlanges Katzengezeter, weil der Katzenschwanz eingeklemmt wurde. Wie immer in der Krise, verhalte ich mich ruhig und Spix ist versteckt. Ich bin zu Tode erschrocken und versuche herauszufinden, was ich tun muss: Ich muss herausfinden, ob der Katzenschwanz Schaden erlitten hat und ich notfallmässig zur Tierärztin muss.

Die Katze ist weg und ich hole Leckerchen hervor, um sie zurückzulocken. Ich bleibe ruhig, alles klappt und zu unser beider Glück ist der Katzenschwanz ganz. Jetzt brauchen wir beide Erholung.

Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung

Meine Leidensgeschichte mit Ärzten ist lang. Meine Leidensgeschichte mit PsychiaterInnen ist noch länger. Aus unerfindlichen Gründen wurde mir die Behandlung meiner kptbs immer vorenthalten. Ich bekam die diffusesten Diagnosen und die abstrusesten Behandlungen und in der Zwischenzeit sind meine schweren Depressionen zyklisch, d. h. ich habe 2 bis 4 Episoden pro Jahr. Einige ganz kluge PsychiaterInnen behaupten ich sei zudem manisch bzw. hypomanisch und entsprechend habe ich dämpfende Medikamente, die einen Elefanten ruhigstellen würden. In den Augen dieser ÄrztInnen ist mein Leiden noch lange nicht gross genug, sie vergrössern es mit einer Leidenschaft, die in meinen Augen krankhaft ist.

Nachdem ich den letzten Psychiater nach fünf Situngen zum Teufel gejagt hatte, googelte ich einmal mehr in meinem Leben nach einem Traumatherapeuten bzw. einer Traumatherapeutin. Kriterien: Schulmedizin, PsychologIn bzw. PsychiaterIn und nicht was Esotherisches oder einE selbsternannte TherapeutIn mit einigen Kursen und ohne fundierte Grundkenntnisse.

Ich fand meinen Traumatherapeuten, schickte ihm ein kurzes Mail, er hatte sofort Zeit, was klar ist, weil er Menschen heilt und dann ziehen sie fröhlich in ihr Leben und danken ihm und er kann neue PatientInnen aufnehmen. Wir haben 6 bis 8 Situngen zusammen erlebt und gestern Abend spürte ich in meinem Körper erste Heilungserfolge. Was bin ich froh und wie hoffe ich, dass ich mit diesen Lernschritten selbst Einfluss auf meinen psychischen Zustand bekomme. Wer sich für Methoden interessiert: EMDR, PITT, Sicherer Ort, Imagination. Mit der angeleiteten Imagination kann ich in meinem Unterbewussten belastende Erfahrungen neu überschreiben und meine Seele damit selbst nähren. Es ist cool, selbst handeln zu können und nicht nur ausgeliefert zu sein.

Zum erstenmal stehe ich in einer Therapie im Mittelpunkt. Was ich sage wird wertfrei verstanden und wiederholt. An einer Stelle ging es um Verrat. Ich hätte mich nicht getraut, Verrat als Wort zu gebrauchen, aber es ist Verrat und das Wort passt und es ist nüchtern, rational, keine Übertreibung. Das tut so gut, in der Art ernst genommen und verstanden zu werden.