Journal21 hat dazu einen Beitrag, den finde ich spannend.
Ich bin nicht Mann, sondern Frau, wuchs in einem reformierten Katon auf, einige Jahre später, bei uns war die beste Note die sechs.
Gesetzt wurden wir die ersten vier Schuljahre, danach konnten wir unseren Sitzplatz wählen, es ging nicht mehr nach Notendurchschnitt. StreberIn oder Vorbild, die guten SchülerInnen wurden bewundert, aber so wie sie wollte man nicht unbedingst sein, der Verdacht des Strebens stand im Raum.
Pädagogische Versuche begannen, zu meiner Zeit war nicht Buchstaben lernen Trumpf, wir sollten ganze Sätze mit Bildchen dazwischen lesen lernen. Die konnte ich blitzartig auswendig, die Buchstaben dafür nicht, was zu einer tränenreichen Schlacht ums Buchstabieren lernen führte.
Sinnzusammenhänge bekomme ich bis heute hin, von Faust I und II über Nieztsche, bis zu Nora oder das Puppenheim. Niemand verlange von mir korrekt geselene Namen, die können durchaus inländisch sein, z.B. Ortsnamen. Für mich ist es völlig normal, fahre ich Auto, nicht zu wissen, wie das Dorf heisst, wo ich Essen einkaufe oder einen Kaffee-to-go hole.
Mit dem Autor bin ich einig, dass in der Schule Werte vermittelt wurden, selbständiges Denken lernen und erste politische Erfahrungen. KameradInnen, deren/dessen Eltern zuhause politisch total anders dachten, konnte ich schon als Schülerin auswendig. Diese KlassenkameradInnen waren dann was Besonderes und unter Beobachtung, weil, was Politik sein solle, verstand ich erst als Teenager.
Vorher plapperten wir nach, hatten keine Ahnung, was es war, aber machten mit, was uns vorgemacht wurde. Je nach Reaktion der Eltern lernten wir, ob wir abgetan wurden als kindliches Geschwätz oder später ausgebildet wurden, warum die Eltern so dachten, wie sie politisch dachten.
Vielleicht ist das der grösste Unterschied zu heute. Damals wurden Werte vermittelt und es war klar, dass das Leben ungerecht ist. Heute soll alles gerecht sein, so gerecht, dass ein Kinderbuch wie „Pippi Langstrumpf“ umgeschrieben werden muss. Derweil ist die Welt so ungerecht, wie lange nicht mehr. Was also bringt die Illusion der Erwachsenen, maximale Gerechtigkeit für ihre Kleinen zu fordern, das Gegenteil davon, was sie täglich erleben. Die meisten Menschen sind im Mittelmass zu finden, sind irgendwo gut und andernorts etwas weniger.
Wer früh im Jahr Geburtstag hat, ist gegenüber denen, die knapp in die Klasse gerutscht sind, zu den Jüngsten gehören, fast ein Jahr älter, körperlich evtl. länger, grösser, kräftiger. Die maximale Gerechtigkeit bleibt eine Utopie.