Auf die Frage „warum?“ gibt es nie eine Antwort, schon gar nicht eine logisch Nachvollziehbare.
Ich mit Jahrgang 1958 bin klassische Nachkriegsgeneration, die sich ab Teenager Jahre mit dem WK II und dieser „warum?“ Frage in Büchern rumgeschlagen hat. Wir versuchten das Unbegreifliche zu fassen.
Neurologisch ist dieses Be-greifen-wollen-und-können wichtig. Was ein menschliches Gehirn begreift, kann es ablegen, beschäftigt nicht mehr andauernd, der eigene Alltag ist wichtig, das eigene Leben will gelebt werden, das braucht die Kraft und Energie, es sollte damals vorwärts gehen, wir wiegten uns im Glauben, unsere Zeit gestalten zu können.
Alle Begabungen zusammengelegt, alle an ihrem von ihnen gewählten Platz, Ärmel hochkrempeln, die Fehler unserer Eltern und Grosseltern wiederholen wir nicht.
Damals hatten wir Respekt vor Autoritäten, natürlich den älteren Generationen und dem Staat, in meinem Falll der Schweiz. Der kalte Krieg tobte und die Entscheidung war, ob russisch angehaucht oder im Vertrauen, dass die USA die Demokratien, die freie Welt stets verteidige. Ich entschied mich für Letzteres, denn die Linken wollten nie was realiter als Russland, China, Nordkorea etc. vorhanden war. Die Idee sei gut, aber man werde es besser machen, die realen kommunistischen Staaten seien nicht, was man wolle, der soziale Staat sei das Ziel, keine Toten, keine Grausamkeiten, eine friedliche Welt.
Utopie oder Realität mit ihren Fehlern, ich entschied mich für Letzteres, was natürlich auch zu verbessern sei. Stimmrecht für Frauen in der Schweiz, alte Zöpfe abschneiden, los gehts.
Nun, 30 bis 50 Jahre später, die Ärmel waren hochgekrempelt, wir haben sehr viel gearbeitet, natürlich insbesondere Alleinerziehende, eine End- bzw. Zwischenbilanz, der Mensch kann den Menschen nicht überlisten, den Bach runter ging die Bildung, das Fachwissen, Fähigkeiten werden in der Schule in der Schweiz nicht mehr gelehrt, eingeübt und wiederholt, die eigenen Kinder schwurbeln, sauber logisches Denken, das war mal, heute ists weitgehend verschwunden.
Ziemlich ernüchternd, was da rausgekommen ist und wieder gilts die Ärmel hochzukrempeln, nun in viel bescheidererem Rahmen. Die Lage aller Behinderten in der Schweiz ist unzumutbar, das bestätigt selbst die offizielle Schweiz, getan wird nichts oder wenn was, viel zu wenig. Es ist analog zur Frauenbefreiung, als sich die Frauen selbst ihre Rechte und Pflichten erkämpfen wollten und mussten, in sich zerstritten waren, was den Prozess der Befreiung hemmte.
Genauso geht es nun uns. Eine nächste Welle der Behindertenbefreiung steht ins Haus. Stückwerk wirds sein, wir kämpfen gegen die eigenen Leute und natürlich die Staatspolitik, die IV, die Schulmedizin, die uns zu Versuchskanninchen zwecks Forschungszwecken missbraucht.
CP ist billigste Schulmedizin, was ärgerlich ist insofern, als dass Schulmedizin und irgendwelche schulmedizinischen Anwendungen möglichst chronisch und lebenslänglich aufschwatzen will wie ständige Kontrollen, Tests, Physio. Die einzige Frage, die uns interessiert, ist, wie kriege ich meine Lebensqualität auf die Reihe, wie schaffe ich Freiraum für meine Freizeit, gehe nicht unter und bin total erledigt mit den wiederkehrend Aufgaben der Selbstversorgung.
Ich kaufe mir was Kleineres als Hauptwohnung, zwei Zimmerchen oder so. Ich kann nicht mehr eine viereinhalb Zimmerwohnung im Schuss halten, das ist zu viel, wenn ich Freizeit will und die will ich.
Ich liebe es, im Viano rumzurollen, der Jura gerade herrlich mit den sich verfärbenden Bäumen. Die Rosskastanien fallen, gestern habe ich sie gesammelt. Ich habe sie getrocknet, sie sind mein natürliches Waschpulver, sie werden eingeweicht und Waschmittel ist der Sud.
Glücklich war ich dabei wie ein kleines Kind, diesen Herbst sammle und trockne ich wieder einmal mein Biowaschpulver. Ohne solche Glückserlebnisse geht nichts.