Einer der Nachteile meines Hirnverletzten kopfes, er kennt zwei Zustände Zufriedenheit, überschwängliches Glück, oft hopse ich wie ein Kleinkind rum, wenn ich mich freue. Diesen Impuls in Gegenwart anderer erwachsener Menschen zu unterdrücken, kostet mächtig Energie.
Das Gegenteil davon ist logischerweise, wenn mein Kopf was als schlecht einordnet. Es ist sofort rabenschwarz schlecht, meinem Kopf Grautöne, Abstufungen beizubringen, genau, ich scheitere seit 60 Jahren nonstop.
Also der orange gestrickte Pulli blieb mindestens drei Jahre liegen. Es braucht wenig Fantasie, sich vorzustellen, dass der unter pechschwarzer Nacht eingereicht war, einfach nur schlecht, schlecht, schlecht.
Sowas Schlimmes, den Pulli stricjkte ich, um ihn zu tragen, nicht wegzuwerfen aus dem Energiezustand auf gelebte Normalität hochzuhieven, das ist eine Energieleistung der Sonderklasse.
Ich trickse meinen maulenden Kopf aus, indem ich ihm erzähle, dass ich nicht im entferntesten daran denke, das Produkt fertig stellen zu wollen. Dann erzähle ich meinem motzenden Köpfchen, ich vernähe gerade nur die Wolle, wo ein neuer Knäuel beginne, das sei 8-ung KEINE WELTBEWEGENDE SACHE.
Genau, die Welt dreht sich munter weiter, als ich das machte. Leider verwechselte ich Vorder- und Rückseite als ich begann Nähte zu schliessen. Ich Pechvogel musste Zusammengenähtes wieded´r auftrennen, also Energieverlust pur, Zusätzlicher.
Mein Kopf war unausstehlich und ich mache desto längere und grössere Pausen.
Konfrontiere ich meinen Kopf direkt, also nach der Methode „den Stier bei den Hörnern packen“, das hat noch nie geklappt. Ich zirkle „um den heissen Brei“, rede mir dauernd gut zu. Gelingt das nicht, Pause, Pause, Pause.
Übrigens, wenn solch ein Werk endlich fertig ist, ich bin zu ausgelaugt, mich zu freuen. Es kostete mich zu viel Energie.
Da angenehm zum Tragen, mich wärmend, der Pulli kommt sofort in den Gebrauch und irgendwann vergesse ich die Strapatzen, die er mich kostete, um vernäht und zusammengenäht zu werden.
So geht das. Mein Kopf, ich und mein Kopf, eine Herkulesaufgabe. Wetten, dass diese meine Herkulesaufgabe wesentlich aufwändiger ist, als was unter gewöhnlicher Normalität abgehandelt wird? Mir fällt auf, dass sog. Normalen, diese Hingabe zu fehlen scheint, sich mit Teilen ihrer selbst anzulegen, um eines höheren Zieles willen, z.B. warmer, selbsthergestellter Unikatpulli im Winter tragen zu wollen.