Oranger Pulli ist fertig

Einer der Nachteile meines Hirnverletzten kopfes, er kennt zwei Zustände Zufriedenheit, überschwängliches Glück, oft hopse ich wie ein Kleinkind rum, wenn ich mich freue. Diesen Impuls in Gegenwart anderer erwachsener Menschen zu unterdrücken, kostet mächtig Energie.

Das Gegenteil davon ist logischerweise, wenn mein Kopf was als schlecht einordnet. Es ist sofort rabenschwarz schlecht, meinem Kopf Grautöne, Abstufungen beizubringen, genau, ich scheitere seit 60 Jahren nonstop.

Also der orange gestrickte Pulli blieb mindestens drei Jahre liegen. Es braucht wenig Fantasie, sich vorzustellen, dass der unter pechschwarzer Nacht eingereicht war, einfach nur schlecht, schlecht, schlecht.

Sowas Schlimmes, den Pulli stricjkte ich, um ihn zu tragen, nicht wegzuwerfen aus dem Energiezustand auf gelebte Normalität hochzuhieven, das ist eine Energieleistung der Sonderklasse.

Ich trickse meinen maulenden Kopf aus, indem ich ihm erzähle, dass ich nicht im entferntesten daran denke, das Produkt fertig stellen zu wollen. Dann erzähle ich meinem motzenden Köpfchen, ich vernähe gerade nur die Wolle, wo ein neuer Knäuel beginne, das sei 8-ung KEINE WELTBEWEGENDE SACHE.

Genau, die Welt dreht sich munter weiter, als ich das machte. Leider verwechselte ich Vorder- und Rückseite als ich begann Nähte zu schliessen. Ich Pechvogel musste Zusammengenähtes wieded´r auftrennen, also Energieverlust pur, Zusätzlicher.

Mein Kopf war unausstehlich und ich mache desto längere und grössere Pausen.

Konfrontiere ich meinen Kopf direkt, also nach der Methode „den Stier bei den Hörnern packen“, das hat noch nie geklappt. Ich zirkle „um den heissen Brei“, rede mir dauernd gut zu. Gelingt das nicht, Pause, Pause, Pause.

Übrigens, wenn solch ein Werk endlich fertig ist, ich bin zu ausgelaugt, mich zu freuen. Es kostete mich zu viel Energie.

Da angenehm zum Tragen, mich wärmend, der Pulli kommt sofort in den Gebrauch und irgendwann vergesse ich die Strapatzen, die er mich kostete, um vernäht und zusammengenäht zu werden.

So geht das. Mein Kopf, ich und mein Kopf, eine Herkulesaufgabe. Wetten, dass diese meine Herkulesaufgabe wesentlich aufwändiger ist, als was unter gewöhnlicher Normalität abgehandelt wird? Mir fällt auf, dass sog. Normalen, diese Hingabe zu fehlen scheint, sich mit Teilen ihrer selbst anzulegen, um eines höheren Zieles willen, z.B. warmer, selbsthergestellter Unikatpulli im Winter tragen zu wollen.

Crans-Montana Feuersbrunst

Statt in den frühen Morgen zu feiern soll eine Explosion stattgefunden haben, die zu einer Feuersbrunst führte, sowas in der Schweiz ist eher unbekannt. Die Zahlen sind aussergewöhnlich, mehrere Dutzend Tote, 100 Verletzte.

Die Spitäler im Wallis und weiter in der Schweiz rufen die gesamte Bevölkerung auf, heute besonders vorsichtig zu sein, die Kapazität der Notfallaufnahmen zu schonen. Die Spitäler im Wallis sind völlig ausgebucht, andere Kantone sind überbelastet, also bitte vorsichtig.

Ich erinnere mich nicht, je sowas punkto Schweiz gelesen zu haben.

Es wird nicht von einem TerroristInnenakt gesprochen, sondern einer unbekannten Ursache.

Da reiben wir uns verwundert die Augen, die Schweiz eher bekannt als das Land der Vorsichtigen, die nun alles regeln, was Menschen in den Sinn kommt zu regeln, um Unglücke zu verhindern.

Leben wir nicht schon gefährlich genug, die Berge besiedelnd, wenn der Berg kommt, kein Kraut scheint dagegen gewachsen zu sein, das reicht völlig als nationale Herausforderung. Wildbäche, die bei Regen anschwellen zur Gefahr werden, weit weg von dem Ort des Gewitters.

Nun sowas. Gut organisiert, wie die Schweiz ist, die erste Hilfe, die Feuerwehr kommt rasch, das Ausmass gross, subsidiär zum Kanton Wallis, sofort umliegende Kantone im Einsatz und es hat eine Verbrennungsklinik mindestens in Zürich, hochspezialisiert. Auch Universitätsspitäler seinen mit Verwundeten angeflogen worden.

Die Anzahl der Rettungshelikopter im Einsatz sehr hoch. Man stand zusammen wie eine Person.

Um 10 Uhr 30 heute eine erste Pressekonferenz, bloss, was ist bekannt, bei solch einem zahlenmässig grossen Unglück. Die Zahlen verwirren mich: In der Bar seien um die 100 Personen anwesend gewesen. Opfer, mehrere Dutzend Tote und 100 zum Teil Schwerverletzte, In- und AusländerInnen. Eine Hotline wurde installiert für Angehörige potentieller Opfer.

2026 beginnt für die Schweiz mit einen Ausnahmezustand punkto Spitalwesen: Normalerweise alle Jahre wieder in den Medien das erste, im Neuen Jahr geborene Baby.

Nichts solches heute, es kämpfen Menschen um ihr Überleben.

Erste Nachricht auf CNN News, „Katastrophe in einem Schweizerresort“. Was war, wir wissen es noch nicht. Was wir wissen für weit über 100 Menschen und deren Angehörigen, das 2026 begann mit einerm Trauma, das nie mehr weggehen wird, das ganze Leben der Betroffenen und deren Angehörigen verändert hat, verändern wird.