Nadja/Chris Brönimann

Blicktitel verwirrt. Es geht um einen Menschen, zuvorderst man glaubt es kaum, sind Menschen immer Menschen.

Nun wars ja sowas von überspannend in den letzten Jahrzehnten, was gelebte und gefühlte Sexualität betrifft, völlig auseinanderzupflücken und möglichst bis in den hintersten Winkel auszuleuchten, jede Privatsphäre inexistent.

Nun gibt es Privates, was privat sein sollte, wenns gesetzeskonform ist. Nur weils nicht Mainstream ist, doch, doch, das interessiert, SRF war dabei, die zugeschobene Rolle offenbar so starr und fix, zu starr zu fix, nochmals ein Neuanfang.

Nein, um Vornamen gehts nicht. Sie sind Ausdruck von etwas Anderem, Darunterliegendem oder es ist ein Prozess, die Hormone, die Menschen beeinflussen, alle nicht nur wenige.

Ich behaupte mal, es geht auch um gesellschaftliche Gepflogenheiten, gesellschaftliche Erwartungen. Wir Behinderten können das Liedchen zugegebenermassen aus einer anderen, eben der behinderten, Perspektive sehr gut mitsingen. Da wird also starr Rollen zugeschrieben. Das passiert schon in der Kindheit. Nicht alle Geschwister haben dieselbe Rolle, es wird unterschieden und dann sind diese Rollen starr.

Stärker Behinderten wird jegliche Sexualität bis auf den heutigen Tag völlig abgeschrieben, der Tabu und es bezahlen zuvorderst behinderte Frauen, garantiert auch Männer, würde der Staat korrekt hinschauen, den Preis.

Ich erinnere mich bis auf den heutigen Tag, im Kellerkino Bern den damals für mich sehr aufwühlenden Film gesehen zu haben, dass es einen Gesetzesverbotsparagraphen gab, Behinderte durften keinen Sex haben, das war bis vor wenigen Jahrzehnten verboten.

Sass ich im Kino in männlicher(!) Begleitung, begriff die Welt nicht mehr. Ich war behindert, warum fiel meine Sexualität nicht unter den Verbotsparagraphen? Nun, mir war die fixe Rolle zugeschrieben worden, meine Behinderung sei weggeturnt, nun habe ich gefälligst eine Normalfrauenrolle zu erfüllen, JAMMERN VERBOTEN.

Wie hoch der Preis mal sein werde, darüber herrschte Tabuschweigen.

Insofern stellte ich diese Rollenzuschiebung nicht in Frage, aber ich beendete meine tertiäre Ausbildung, eigenes Geld verdienen, mit dem Kopf arbeiten, was mir eine Kindheit lang gepredigt wurde, blieb oberstes Gebot.

Dann machte ich meine Sache sehr gut, dann wars wieder nicht recht, der Neid, die Eifersucht, was Zerfressenderes gibts wohl kaum.

Dann wurde ich ab 2004 auf eine inexistente, maximale Behindertenrolle definiert, alles erstunken und erlogen. Wieder Befreiung von der zugeschriebenen Rolle und nur noch ein Wunsch: „Lasst mich endlich in Ruhe, sucht Euch andere Menschen zum Dauerschädigen oder noch besser, befasst Euch endlich mit Euren freudschen Projektionen.“

Mich verwundert es keine Sekunde, wenn nicht nur Behinderte, auch andere Menschen starre/fixe Rollen zugeschrieben bekommen und irgendwann Lichterlöschen ist, weil alle Menschen wollen ihr Leben leben und nicht eine, von wem auch immer aufgedrückte Rolle, die hinten und vorne nicht passt.

Man nehme nur mal die hormonellen Veränderungen, andere Prioritäten, Frauendasein: Zuerst, noch nicht erwachsen, Vermehrung, Wunsch nach eigenen Kindern. Gebremst voll logisch durch, Kinder geben Arbeit, kosteten schon ab Zeugung in den 80er Jahren enorm viel, also weniger Kinder realisieren, als frau sich wünschte. Ich tats genau zweimal, obwohl der Wunsch nach mehr Kindern, auch nach der zweiten Scheidung, bestand. Knapp tat ich es nimmer.

Irgendwann war diese Phase vorbei, dieser Wunsch nach eigenen Kindern.

Alleinerziehend und dann reichte es. Was für Alleinerziehende nicht unüblich ist: Diesen Grosskinderhype ich teilte ihn nie, ich teile ihn nicht. Ich lehre Kinder, dosiert, gerne, ich albere mit ihnen rum, ich töpfere mit ihnen, giesse Kerzen, spiele auf dem Spielplatz, gehe mit ihnen aus essen. Aber stellvertretend hüten, gerade bei gutgenährten Kleinen, all dieses Heben, Tragen, was man bei Behinderten Transferieren nennt, ohne mich.

Die Älteren sollen Erwachsene dabei haben gegen irgendwelche übelsten Verleumdungen und es geht schon wieder um Sexualität. Als ehemalige Pfarrerin, ich weiss von was ich rede, es erwischte Lehrer, es hat in der Schweiz mindestens einen Pfarrer erwischt.

Was Rufschädigung ist, muss mich niemand lehren, das lehrt mich meine Familie inklusive meine eigenen Kinder. Auch da wieder eine klassische Behindertenrolle: In Krimis in der Schweiz überproportional oft sind die TäterInnen Behinderte oder „Fromme“/Sektenangehörige. Nochmals eine freudsche Projektion, die eh schon Ausgestossenen sind, man höre und staune STRAFTÄTER/INNEN. Das macht offenbar doppelte Freude, ist gelogen vom Anfang bis zum Ende.

Weils nicht die Wahrheit ist, muss weiter dazu erlogen werden, was noch Schlimmeres und ein Ende gibts nicht.

Nun hat also ein Mensch eine starre Rolle verlassen laut Blick. Gut so, alle Menschen, die nachdenken, möchten sich selbst sein oder endlich werden. DAS ist ihre Bestimmung.

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