Festtag

Heute ist der grosse Festtag für mich in diesem Jahr. Die Voraussetzungen sind nicht optimal, aber gut. Ich habe meine Medikamentenfehler in den Griff bekommen, ich habe 6 Std. geschlafen, hoffentlich noch ein Mittagsschläfchen und ich bin ausgeschlafen wie ein Baby. In der CH sagen wir mit Altbundesrat Ogi: „Freude herrscht.“

Also durch den Tag nur leichte Beschäftigung, Ruhepausen und vermutlich werde ich versuchen mich hübsch zu machen. Lippenstift auf die Nasenspitze oder so. :-) Mein Assistent kann mir meine Ohrstecker anziehen, also gibt es zur Feier des Tages Ohrstecker. Ich kann in meinen Schuhen wühlen und gucken, was ich mir an die Füsse schnallen will und nur für heute kann ich mir Zeit nehmen, meinen Kleiderschrank zu begutachten und nach was anderem zu gucken als den ewig gleichen Klamotten. Ich ziehe immer meine selbstgenähten T-Shirts an und darüber einen Pulli. Ich könnte mich in eine Bluse werfen. Ich könnte meine Lederjacke anziehen. Ich könnte Spass haben. – He, ich könnte mir sogar Frenchnails montieren. Meine Nägel sehen bescheiden aus wie immer nach einer schweren depressiven Phase.

Wenn ich mir so überlege, was ich alles könnte, habe ich echt viel zu tun. Ich wünsche allerseits einen schönen, letzten Adventssonntag und immer schön die Ohren steif halten. Untergehen ist keine Option.

Was sich liebt…

…. das neckt sich. Spix, meinem geliebten Kätzchen, kann ich gewisse Unarten nicht abgewöhnen. Sitze ich auf einem Stuhl und will sie sich dazusetzen, benötige ich eine Decke, damit Kätzchen meine Jeans nicht ruinieren kann. Natürlich hat sie eine Krallenkratzgelegenheit. Jedesmal, wenn sie sie zufällig braucht, lobe ich sie innigstens. Also ehrlich, meine Teppiche und meine Kleider sind viel geeigneter um ein Krallenkratzkonzert zu eröffnen.

Manchmal necke ich Spix. Sie guckt meiner Hand nach und die kreist ganz schnell. Irgendwann, irgendwie, irgendwo kommt der Punkt, wer in den Neckereien das letzte Wort haben wird. Sie mit ihren Pfötchen oder ich alte Schachtel mit meiner Hand. Immer hat Spix das letzte Wort und ich kann froh sein, wenn das für mich nicht blutig ausgeht.

Gefährlich

Aus irgendwelchen Gründen bin ich zerstreut. Vorgestern habe ich einen Termin versemmelt und gestern habe ich zwei Fehler gemacht, die ins Auge gehen können. Jetzt weiss ich, warum ich nicht schlafen kann, ich habe zweimal vergessen meine Medikamente einzunehmen. Zweimal hintereinander ist mir soweit ich mich erinnere noch nie passiert. Ob ich morgens um drei die Abendmedis nachnehmen kann, muss ich für mich jetzt gerade entscheiden. Das ist satte 7 Std. zu spät. Aber ich könnte die Morgenmedis etwas gegen den Mittag schieben und so schummeln.

Heute habe ich frei. Ich kann mich irgendwann hinlegen, ich muss nicht Auto fahren. Nach meiner Einschätzung ist der Schaden weniger gross, wenn ich jetzt die Einnahmezeit der Medikamente nicht optimal einhalte.

All diese Medizin steht nur deshalb auf meinem Speisezettel, weil ich jahrzehntelang nicht auf komplexe Posttraumatische Belastungsstörung behandelt wurde. Weil ich jahrzehntelang unbehandelt war, muss ich damit rechnen, dass ich keine vollständige Heilung erleben werde. Aber es ist davon auszugehen, dass mein Medikamentencockail kleiner werden wird, je mehr Traumatas ich verarbeiten kann.

Peter A. Levine

Ein Buch von ihm steht seit Jahren in meinem Büchergestell. Thema Trauma. Nun ist es eine unbefriedigende Sache über ein Thema nur zu lesen oder eine Sache tun zu können. Wenn ich über etwas lese, kann ich es noch lange nicht tun. Als Schweizerin kommt mir das Skifahren in den Sinn. Da kann ich beliebig viele Bücher darüber lesen und ich kann keinen Meter weit fahren. So ist es mit einem Traumabuch, das mich nie enttraumatisiert. Peter A. Levine vertritt eine Methode, die interessant, originell ist, aber nicht die, nach der ich arbeite.

Gemeinhin wird die Meinung vertreten, dass Haustiere, Hunde und Katzen sehr empfindlich sind auf ungerechte Behandlung. Mit Levine im Kopf beobachte ich meine Katze. Jedesmal, wenn es ihr zuviel wird, schüttelt sie sich, dann weiss ich, das war zuviel. Übrigens will Spix noch immer nicht ins Treppenhaus, auch wenn die Wohnungstür offen ist. Ich warte und dränge sie nicht. Aber verstehen tu ich ihre Scheu nicht. Ich denke immer das arme Wohnungskätzchen hätte etwas mehr Auslauf.

Ja, ja Traumatas,es gibt sie aber kaum einer will was darüber wissen und noch weniger wollen Traumatas heilen. Das ist sehr grausam, wenn man bedenkt, dass sich hinter jeder Depression ein Trauma verbergen kann. Und was macht die Ärzteschaft? Sie behandelt falsch und chronifiziert die Depressionen und andere Traumasymptome.

Straffällig

Es hat Vorkommnisse in meinem Leben gegeben und instinktiv habe ich gespürt, dass sie nicht sauber sind. Ich habe das der Polizei gemeldet. Die hat nichts erreicht. Der von mir Beschuldigte hat mich stets ausgelacht. Ich habe meinem Anwalt unter mehreren Malen von der Sache erzählt. Er ist nicht aktiv geworden. Heute habe ich dem Rechtsdienst der Zeitschrift Beobachter angerufen und siehe da, Paragraph 62 des Obligationenrechts ist betroffen, ungerechtfertigte Bereicherung. Zudem sei abzuklären, ob Straffälligkeit auch betroffen sei. Vermutlich reicht die allfällige Straftat nicht für Gefängniss, aber es ist eine hübsche Vorstellung, dass dieser Mensch für seine Untaten die Quittung bekommt und ich bekomme eine hübsche Summe von meinem Geld zurück.

Solange ein  Mensch in der CH nicht verurteilt ist, gilt die Unschuldsvermutung.

Katzenrauferei

Spix hatte im Altersheim eine Katzenrauferei, die sich anhörte wie das Ende meines kleinen Dreikilokätzchens. Ich lief in die dunkle Nacht, war vezweifelt, rief nach Spix, aber sie war wohl stinksauer und weg.

Jetzt sind wir nur zu zweit in meiner Wohnung. Sehr oft geht das sehr lange gut, aber manchmal haben wir Streit. So gestern: Ich plage Spix nicht mit übermässigem Bürsten. Eine Kurzhaarkatze schafft die Fellpflege selbst. Aber gestern war ein Tag, an dem ich meine Katze berührte und ein Sprühregen von Katzenhaaren entfaltete sich. Das ging mir auf den Wecker. Also bürsten ist nicht unbedingt Spix Lieblingsbeschäftigung. Sie bekommt nach dem Bürsten Thonparfait, ihr Lieblingsleckerli. Gestern faucht mich diese kleine, freche Katze während des Bürstens an. Ich nicht faul, fauche zurück. So verständigen sich Katzen, wenn sie unzufrieden sind und imponieren wollen und hier im Haus bin ich die Ober- oder Leitkatze. Sofort liess ich Spix los, weil Spix absolut keine Hemmungen hat meine Hände blutig zu kratzen oder blutig zu beissen.

Jetzt auf Distanz fauchte ich ihr nochmals meine Meinung. Dann legte ich die gehasste Bürste und die Parfaittube auf den Boden nach dem Motto: Liebes Kätzchen wir sind noch nicht fertig, aber das schaffen wir umgehend. Es ging nicht lange kam Spix und wir konnten die Arbeit beenden und dann wollte sie wieder auf meinen Schoss und die Nacht hat sie in meinem Bett verbracht. Das ist in der Zwischenzeit ganz easy: Ich habe einen gewissen Singsang, dass ich im Bett liege, gute Nacht wünsche und schlafen wolle. Ich lade Spix dazu ein. Es dauert nicht lange, dann höre ich sie hüpfen, spüre ihre Pfötchen und ihr Gewicht auf meinem Körper, allerliebst.

Vor der eigenen Türe wischen

Für die lieben MitleserInnen aus dem grosssen Kanton und jenseits der östlichen oder westlichen Grenze – Geographie ist meine Stärke nicht – wischen heisst auf Althochdeutsch kehren.

Heute war ich zu Fuss einkaufen. Das ist geographisch ideal, praktisch leider nicht, weil ich keine Ahnung habe, wieviel Gewicht ich zu Fuss schleppen kann. Also fasste ich einen genauen Plan, wie wenig ich einkaufen wolle. Im ersten Geschäft traf ich den Hauswart meines Blocks, einen älteren Herrn, und bot ihm das Duzis an. Ich ging weiter in ein zweites Geschäft. Als ich zurück bei meinem Block war, versperrten drei Rollstühle den Weg zum Eingang, einer davon der Hausmeister. Scheinbar waren die drei in ein längeres Gespräch verwickelt. Sofort machten sie mir höfllich Platz, ein kleiner Scherz und ich konnte die Eingangsschiebetür mit dem Schlüssel öffnen. Das ist was vom Bequemsten an meinem Behindertenblock, die selbstöffnenden Türen.

Nach dieser angenehmen Begegnung habe ich an meine frühere Wohnsituation gedacht. NachbarInnen, die darauf aus waren, dass es mir schlecht ging, die neidisch und schadenfreudig waren. Warum bloss habe ich mir das 10 Jahre lang angetan. Das war unaushaltbar. Hier kehrt jedeR vor seiner Türe und für alle ist es angenehm.

Ombudsstelle für Spitalwesen

Ich habe mich an diese Ombudsstelle gewandt, weil ich nicht bereit bin, einfach wegzustecken, was ich in den langen Monaten in der Psychiatrie PZM erleben musste. Ich habe die Ombudsfrau nie gesehen. Wir haben tel. zusammen gesprochen. Die Maximalzeit würde ich auf 1 Std. 20 Min. beziffern. Gestern kam mit der Post der Beschwerdevorschlag. Diese Frau kann zuhören und formulieren, an ihr ist ein Psychiater verloren gegangen. Jedenfalls würde ich mir als Patientin wünschen, mein Psychiater würde mir so genau zuhören und so gut verstehen, was ich meine. Die Beschwerdeschrift ist kurz und knapp. Sie konzentriert sich auf die wesentlichen Punkte und ist nicht ausufernd. Damit wird ein einstündiges Gespräch realisierbar mit dieser Grundlage. Ich will mich beklagen aber in einem zeitlich vernünftigen Rahmen. Bekanntlich ist die Gesetzgebung in der CH so, dass die Patienten immer die Dummen sind. Einen Rechtsweg gegen eine medizinische Behandlung einzugehen, lohnt sich schlicht nicht. Aber den behandelnden Ärzten einen Denkzettel verpassen, damit sie in Zukunft traumatisierte PatientInnen in eine Traumatherapie überweisen, das könnte sich lohnen. Genau das ist zumindest meine Intention.

Krampf

Mein Wohnwagen war diese Tage in der Reparatur und ich habe Blut geschwitzt. All diese Missverständniss, wenn Menschen kommunizieren. Dann als Frau darf ich einem Mann und Besitzer einer Werkstatt bestimmt nicht sagen, was der technische Fehler ist. Konkret ging es um die Reparatur der Fernsehantenne. Aus unerfindlichen Gründen wurde mir eine Antenne verkauft, die sich aufklappt und selbständig dreht. Dieses Luxusmodell von Antenne versagt beim leisesten Hauch eines Winters. Die Sicherung geht sofort kaputt und das ist dann das Ende vom TV-Genuss. Also ist die Reparatur die Sicherung auszuwechseln, zu finden im Bettkasten des WoWas. Jetzt aber wollte der Wekstattbesitzer unbedingt die Antenne haben und die ist gerade bei der WoWa Umzugsfirma in der Innerschweiz, Fahrtzeit 1 1/2 Std. ein Weg. Hätte ich machen müssen. Aber die Werkstatt will morgen früh meinen WoWa los werden und damit habe ich ein logistisches Problem, das ich nicht hätte, wenn ich dem Werkstattbesitzer freundlich und bestimmt verticken könnte, was er zu tun hat. Für CH Verhältnisse eine unmögliche Situation. Frau ist Mann technisch überlegen. Das ist echt pfui und geht in der Regel nur ins Auge. Das braucht Fingerspitzengefühl der höheren Grössenordnung.

Ich habe es tatsächlich geschafft. Die Sicherung wurde ausgetauscht und es herrscht Einigkeit dass damit das Problem behoben ist und ich erspare mir viel Leerlauf. Ich bin total k. o. und total happy.

Fögel vliegen vort

Schriftliche Sprache, buchstabieren können, ist ein Gräuel. Einige nennen es Orthographie. Wenn ich dieses Fremdwort buchstabieren könnte, würde ich es auch gebrauchen, Fremdwörter machen stets Eindruck.

Behinderungsbedingt kann ich schlecht buchstabieren, die Kommaregeln überhaupt nicht. Ich wurde als Kind auf Legasthenie geprüft, bin hochkant durchgefallen, weil ich eine Wahrnehmungsstörung habe und keine Legasthenie. Da ich keine hatte, wurde mir die Orthographie mit der Peitsche eingebläut: Der Maler mahlt und die Mutter malt Kaffee. Die Fögel vliegen vort. Tu schausd im Tuten nach wie tie Wörder geschrieben werten.

Das Diktatbüchlein war lang und die Tinte des Korrigierstifts rot und ich habe Rotz und Wasser geheult. Für einige Jahrzehnte konnte ich recht und schlecht schreiben und jetzt auf meine alten Tage fällt alles peu a peu auseinander. Es kann gut sein, dass ich bereits Fehler mache, die ich nicht sehe.

Trotzdem finde ich es wichtig im geschäftlichen Umgang, dass ein Minimum an sprachlicher Korrektheit vorhanden ist. Mir sind etliche HandwerkerInnen und Menschen mit Fachhochschulabschluss begegnet, die katastrophal schreiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie alle LegasthenikerInnen sind. Ich gehe eher davon aus, dass es Desinteresse, Faulheit, Selbstüberschätzung ist. Ein schlecht geschriebener Geschäftsbrief hinterlässt einen bestimmten Eindruck. Es ist einfach so. Ich kann mich dagegen nicht wehren, vermutlich gerade darum, weil ich in solch einem unmenschlichen Ausmass gedrillt wurde.