Schmerzhafte Erkenntnis

Mit den Gefühlen von Menschen, insbesondere bei der Suche eines Partners bzw. einer Partnerin, lässt sich trefflich Geld verdienen. Ebenso klar ist, dass frau natürlich denkt, dass sie nicht auf diese Plattformfakes hereinfallen wird. Die Realität ist anders und der Auszug  von dort umso gerechtferigter.

Umgekehrt ist frau nicht usurpierbar. Mobbing macht sie nicht mit, angreifen tut sie niemanden, ausser sie selbst wird angeödet. Sie unterscheidet sehr präzise, wer andere angreift und wer das Opfer ist. Die  wirklichen Täter stellen ihre Opfer meist als Täter oder Psychopathen dar. Clever, aber nicht clever genug, um frau ohne Aufwachen, mitzureissen.

Insofern ist für frau eine Lebensfrage beantwortet, nämlich die, ob sie einen totalitären Staat durchschaut hätte oder nicht, wenn sie in einem solchen geboren worden wäre. Die Antwort ist, dass sie irgendwann auf ihren eigenen Füssen gelandet wäre, wie eine Katze. Klar muss sie ein System  zuerst kennen lernen und mit der Zeit erfassen, was da gespielt wird.

Lockvogel ich hör dich piepsen und bin verstimmt.

Gmail läuft ab sofort

Nun habe ich auch meine E- Mailadresse  am Laufen, bzw. habe sie wieder zugänglich gemacht : wie1ort(ät)gmail.com 

Den ganzen Tag überlege ich, welche Möglichkeiten ich nun habe, und welche Themen alle ich anreissen kann, relativ einfach, alles was mich interessiert. Mir ist das Umfeld klar, einigen auch, aber ganze Fachbereiche konnte ich bisher am alten Ort praktisch nicht anschreiben.

  • evang.-ref. Theologie
  • Feministische Theologie
  • Frauenbewegung der letzten 2000 jahre in Europa
  • Frauenbewegung in der Schweiz
  • Bücher, die mich interessieren
  • SchriftstellerInnen

Und ganz schön, die meisten meiner LeserInnen werden NT’s sein. Ich aber spreche nicht „Normalisch“ und schreibe auch nicht so, sondern meine Muttersprache ist „Hirnverletztisch“. Wer immer hier zu Besuch ist, wird nachfragen könnnen, wenn er oder sie was nicht begreift. Aber ich als wieort stehe nicht unter dem permanenten Druck, Normalisch zu schreiben und Normalisch zu denken und wenn es nicht zu 100% klappt, „auf sie mit Gebrüll!“ Es wird nie zu 100% klappen.

Was ich dringend brauche, ist einen Lektor, eine Lektorin, die rasch meine Tippfehler rausholt. Ich plane diesen Blog in meinem Buch zu erwähnen, dann muss er ein lektoriertes Niveau haben, nicht im Sinn von „perfekt“, aber orthographisch i.O., auch dem Dativ ist der Akkusativ hold, muss durchgekämmt werden. SchweizerInnen sind da besonders gefährdet.

Wenn ich diesen Blog mit meinem Buch verbinde, dann werden sich einige Menschen ärgern. Das kostet mich bereits den ersten, möglichen, durchaus renomierten Verlag, samt seiner durchaus liquiden und im Fall von „guten Mädchen kommen in den Himmel“, durchaus spendablen Sponsorenschaft. KritikerInnen wie ich, sind erst erwähnenswert, wenn sie 100 Jahre tot sind und nicht mehr beissen können.

Heute hatte ich zufälligen Kontakt mit meinem ehemaligen Sozialamt. Es ist schön, nicht mehr abhängig zu sein, die Akten habe ich mir geholt, die für mich interessanten Seiten kopiert und klar, sagen alle auf dem Sozialamt, beruhige dich ,vergiss das und ich antworte immer: Und ich werde publizieren, ich gehe an die Öffentlichkeit. Dieser Blog ist öffentlich. Was ihm noch ein bisschen fehlt ist das PR, die Masse von LeserInnen. Das könnte erst jetzt ein Ziel werden.

Meine Resourcen sind knapp, die meines Co-Autors ebenso. Mit diesem Blog erspare ich mir, ein Buch zu schreiben, weil alles schon drin steht, was in mein viertes Buch soll.  Es ist nicht so schön präsentiert, wie ein Buch, aber es erreicht die Öffentlichkeit.

Immer wenn andere sagen oder schreiben, ich solle schreiben, ist die Rohfassung des Textes schon da. Ich kann immer noch mein viertes Buch schreiben oder mein Sonderbuch vielleicht wird es auch nur ein Artikel im Zwiegespräch mit meinem Co-Autoren.  Nach dem ersten kommt dieses Nicht-Lioness-Buch.  – Lioness? Ja, Löwin heisst meine kleine Protagonistin in meinem Kinderbuch. Ob ich es bebildert haben wolle, werde ich gefragt, immer doch, einen kleinen Löwinnenkopf habe ich schon gemalen und einen der grossen Löwin abgezeichnet. Nicht weil ich gut zeichnen kann, sondern weil nur ich zeichne, so wie ich die Welt sehe. Ob das eine Option für einen Buchdeckel ist?

 

 

Neulancierung 10.10.16

Die Zeit ist rasch vergangen seit dem Juni, der September leider nicht, ein Krankheitsschub hat mich flach gelegt. Am Datum sehe ich, dass der Oktober bald einmal die Hälfte erreicht hat. Was soll ich euch erzählen?

Soeben habe ich diesen Blog nochmals aufdatiert. Wenn ich es richtig sehe und verstehe, müssen meine LeserInnen keine Reklame mehr angucken, was ich als Autorin sowieso nie musste. Ich finde das Attribut „Werbelosigkeit“ insbesondere wichtig für Menschen mit einer Behinderung. Mich stört flackernde Werbung enorm, sie ist ein Energiefresser, wie ich die überflüssigen akkustischen Reize empfinde, könnt ihr unter „Inhalt“ nachlesen.

Mein gegenwärtiges Bemühen geht dahin, KommentatorInnen zu aquirieren und die Themen meines Blogs auszuweiten, ihn zu einer Art Tagebuch zu machen, ganz einfach, weil ich es liebe zu schreiben. Ich habe mir einige, meiner alten Texte angesschaut und mir überlegt, ob ich die löschen soll. Aber ich finde, dass Arbeit Arbeit ist und ich bin ich und ab heute erweitere ich meinen Themenkreis, das ist meine journalistische Freiheit, gerade in einem, von einer einzigen Person geführten Blog.

Technisch muss ich mich um mein Mailadressengewirr kümmern und irgendwann werde ich die sich widersprechenden Mailimpulse unter Kontrolle bringen und dann sollte alles soweit reibungslos laufen.

Jetzt drückt mir bitte die Daumen, dass hier ein aktiver Blog entsteht, mit mehreren KommentatorInnen, nicht die Masse macht es, sondern die Qualität der Beiträge.

Hoffentlich bleibe ich lange vor Trollen, Zweitnicks oder sog. Sockenpuppen verschont. So wie ich die Menschen kenne, die mich mögen, werden sie mir helfen. Daumen drücken gilt!

 

Klettern, neurologisches Klettern

Vor vielleicht zwei Jahren habe ich mit Klettern begonnen. Fragile Suisse hatte diesen Kletterkurs ausgeschrieben und danach folgten weitere. Nach einem dreiviertel Jahr besuchte ich den Einsteigerkurs für Kletterbegeisterte im Magnet.

Meine neurologische Physiotherapeutin half mir, eine Kletterpartnerin zu suchen. Am liebsten trainieren wir im neu eröffneten O’Bloc.

Ich lerne so viele Bewegungen, die ich in meinem 57 Jahre langen Leben noch nie gekonnt habe. Die neurologische Pysiotherapeutin unterstützt meine praktischen Bemühungen. Der behandelnde Chefneurologe praktiziert im REHAB Basel.

Was bin ich froh, dass die Neurologie solche gewaltigen Fortschritte macht und meine Lebensqualität dadurch verbessert. – Geübt und mich abgestrampelt, um Bewegungen zu erlernen, habe ich mich ein Leben lang. Heute ist das viel einfacher geworden, die Erfolge sind sicht- und messbar.

Neue Kraft

Nach drei Jahren Wegbleiben habe ich heute meinen Blog aus der Versenkung geholt. Langsam fasse ich wieder Pläne für zukünftige Schreibakivitäten.

Mein Blogtitel  leuchtet mir ein: Seine Wahrheit erfährt jedeR, der/die wahrnimmt. – Bei allen von uns anders. Wie heisst es beim Witzeln? – Es gibt eine Wahrheit mehr, als Personen im Raum sind.

Auf eine spannende textreiche Zukunft!

Glücklich bis ans Ende ihrer Tage

„Schön“ ist ein Allerweltswort. Genau solche Worte, die jeder zu verstehen glaubt, führen zu Missverständnissen.

Eine schöne Frau, ein schönes Haus, die Aussicht ist schön; schön bezieht sich auf einen optischen Eindruck.

Akustische Beispiele lassen sich ebenso finden.

Wann ist eine Geschichte „schön“? Sie kann gut recherchiert sein und ist deshalb schön, weil sie detailreich und interessant ist. Sie kann formal schön sein, der Stil und die Wortwahl transportieren den Inhalt genial. Sie kann schön gruselig sein und mit der Decke über den Kopf gezogen, schläft es sich besonders gemütlich. Sie kann so spannend sein, dass am Schluss der Leserin ein erlösender Seufzer entweicht: „Diese Geschichte ist so schön.“ Oder eine Geschichte ist erst dann schön, wenn der Leser gut einschlafen kann, weil die Beziehungen zwischen den Menschen in der Geschichte so wohlig sind, wie in den guten, alten Märchen, wo jeweils steht: „Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.“

Wenn ich eine „schöne“ Geschichte schreiben wollte, dann müsste sie im letztgenannten Sinn schön sein. Möglichst paradiesische Zustände auf Erden finde ich erstrebenswert. Weil die Gedanken der Menschen prägen ihre Denkmuster. Das weiss man aus der Neurologie. Ob sich ein Mensch vorstellt, er esse ein Eis oder er isst es tatsächlich, die ausgeschütteten Belohnungshormone im Hirn sind gleich. Die Wiederholung eines Denkmusters im Hirn prägt es tiefer ein und bei Gelegenheit wird das bekannteste Denkmuster als erstes in die Tat umgesetzt. Wenn wir sagen: „Übung macht den Meister“, meinen wir genau das. Wir trainieren unser Hirn bis es, wie von selbst, die gewünschte Leistung erbringt, weil sich der Ablauf so gut eingeprägt hat.

Also ist daraus zu schliessen, dass, wenn ein Mensch in seinen Gedanken die Harmonie, den Ausgleich und den Frieden sucht, er diese Eigenschaft auch eher in die Tat umsetzen kann, als ein Mensch, der sich nicht einmal in den Gedanken damit befasst. Das heisst nun nicht, dass wir so menschliche Engel züchten können, aber es heisst, dass es Sinn macht, sich zu überlegen, mit welchen schönen Gedanken wir unser Hirn füttern. Es gibt zweifelsohne auch andere Einflüsse, die wirken und nicht zu unterschätzen sind. Aber schöne Gedanken, wenn es möglich ist und ein Mensch nicht gerade in einer Depression steckt helfen allemal.

„Glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ wurde lange Zeit und wird noch heute von vielen in die Welt der Märchen verbannt und deshalb als überholt angeschaut. Mir sind Märchen Kostbarkeiten und Utopien, die Massstab für mein Leben sind. Es verwundert mich nicht, dass das Wort „schön“ für mich zuerst diesen Inhalt bedeutet. Bevor ich gross überlege, wende ich den Massstab an, den ich aus den Märchenerzählungen mitgenommen habe: „Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.“

Was ich zu fürchten gelernt habe

Es gibt Situationen, in denen es für mich am besten ist, mich so schnell als möglich zu entfernen. Diese Begebenheiten laufen immer gleich ab. Völlig aus dem Zusammenhang gerissen, werden Menschen, die mit mir zu tun haben, aggressiv. Als kleines Kind war ich diesen Erwachsenen ausgeliefert. Ein verletzender Satz lautete: „Wenn du keine(!) Gefühle hast, dann brauch wenigstens deine Intelligenz.“

Die Kindheit ist längst vorbei. Aber bis in die Gegenwart gibt es AggressorInnen. Beliebt ist, meine Behinderung als Anhaltspunkt zu nehmen. In einer psychiatrischen Klinik(!) hat man mich an zwei unterschiedlichen Tagen zum Sündenbock gestempelt, weil ich „an der falschen Stelle“ gelacht habe. Was ein Mensch ohne Hirnverletzung noch knapp unter Kontrolle halten kann, nämlich eine gestresste Situation ohne Ventil zu überstehen, schaffe ich nicht. Ich brauche ein Ventil und oft ist es Lachen. Es gibt auch das Häutchen abziehen an den Fingern und Fingernägel bzw. Kaugummi kauen oder sonst eine Beschäftigung, die Spannung abbaut.

Wenn ich in der selbstgerechten Art zum Sündenbock erkoren werde, brauche ich keine Pfarrerin, die mir die Bibel auslegt. Intuitiv verstehe ich die Worte Jesu: „Herr vergib ihnen, den sie wissen nicht, was sie tun.“ Man merke: Nicht behinderte Menschen dürfen voll aggressiv sein. Sogar sog. Fachleute dürfen sich behinderten Menschen gegenüber unprofessionell verhalten. Aber wehe, wenn der behinderte Mensch schlechte Laune hat, mies drauf ist und sich einen Sündenbock sucht. Das kommt ganz schlecht an und ist verboten. Frei nach dem Spruch: „Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe.“

Letzthin in einem Kurs hat mir die Kursleiterin gesagt, ich würde mich über alle erheben und „in letzter Instanz“ entscheiden, was richtig sei und was falsch. Sie brauchte das Wort „Inquisition“. Mein „Vergehen“: Es war ein Schreibkurs. In einer Geschichte eines anderen Kursteilnehmers hatte mich eine Nebenfigur dazu animiert, die Figur zu nehmen und zu ihr eine Geschichte zu erfinden. Wir hätten alle keine Literatur, wenn nicht ständig Themen aufgegriffen, neu gestaltet, anders geschrieben würden.

Für alle, die gern etwas zum Lachen haben: Der Witz ist, dass diese Nebenfigur in der Originalgeschichte sehr einsam war. Ich habe sie in meiner Geschichte in die Gesellschaft integriert. Inklusion nennt sich das. – Wenn das nicht einmal auf dem Papier erlaubt wäre, dann könnte die gesamte Behindertenbewegung, die über Inklusion nachdenkt und sie fordert, einpacken. Aber das tun wir nicht. Wir sind da und bleiben ein Teil dieser Gesellschaft, auch wenn einige Mit- oder Gegenmenschen sichtlich Mühe haben, damit umzugehen.

„Wegschauen ist am schlimmsten“

In meinem Kanton erregt diese Schlagzeile im Bund Aufmerksamkeit. Leider ist dieser Artikel online nicht verfügbar. Manchmal ändert sich das nach ein, zwei Tagen. Wenn es soweit kommt, werde ich ihn verlinken.

Weil nicht verfügbar, schildere ich kurz, was beschrieben wird:

Ein Sozialarbeiter soll zwanzig Buben und männliche Teenager missbraucht haben. Er war sehr engagiert und beliebt. Es gab Verdachtsmomente, aber niemand traute sich eine Anschuldigung auszusprechen. Über Jahre wurde so das Problem verschleppt.

Der Artikel versucht zu sortieren und einzuordnen. Mir stösst manches sauer auf. Wenn ein Mensch keine sexuelle Ausrichtung hat, die momentan in unserer Gesellschaft akzeptiert ist, dann ist er sehr einsam und letztlich in einer auswegslosen Situation. Wenn wir uns zudem bewusst sind, dass gerade Männern dauernd zugestanden und eingetrichtert wird, dass sie ihre Triebe nicht unter Kontrolle haben können, dann wird die Ausgangslage noch dramatischer.

Er war engagiert und charismatisch, kreativ, beliebt, erfolgreich. Und er täuschte sie alle.

So beginnt der Artikel. Wie kann die sexuelle Ausrichtung eines Menschen für andere Menschen ein Täuschmanöver sein? Unsere Gesellschaft lügt sich selbst an, wenn sie sich einredet, dass alle Menschen heterosexuell oder allenfalls homosexuell sind. Da hat kein einzelner Mensch andere getäuscht. All die wunderbaren Eigenschaften, die dem betroffenen Sozialarbeiter jetzt natürlich abgesprochen werden, besitzt er noch heute.

Natürlich ist es verboten, dass Erwachsene Kinder missbrauchen. Bislang habe ich nie gelesen oder gehört, wie sexuell so orientierte Erwachsene in unserer Gesellschaft leben können. Wenn nur Druck da ist und der Aufschrei der Öffentlichkeit, wenn Missbrauch endlich an den Tag kommt, machen wir keinen Schritt vorwärts. Die Kinder, die wir schützen wollen sind nicht geschützt und die Erwachsenen, die zumindest Verständnis brauchen und sicher Hilfe, mit ihrer Sexualität so umzugehen, dass sie nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen, sind in ihrem vermutlich leidvollen Versteckspiel allein gelassen. Auch mit einer Gefängnisstrafe ändert sich die Sexualität nicht. Auch da nützt Wegschauen herzlich wenig.

Wie soll man umgehen mit dem Verdacht? Auch der Zürcher Oberstaatsanwalt und Spezialist für strafrechtlichen Kinderschutz Andreas Brunner warnt vor zu frühen Anzeigen. Man könne Existenzen zerstören, wenn Gerüchte die Runde machten, an denen – wie sich später herausstelle – nichts dran sei.

Sehr verantwortungsbewusst finde ich diese Stellungnahme. Oberstaatsanwalt Brunner zeigt auf, dass die gesellschaftliche Verantwortung auf zwei Seiten hin zu wahren ist. Einerseits geht es um Kinder und Jugendliche, die zu schützen sind und andererseits geht es um Erwachsene, die vor ungerechtfertigten Vorwürfen, allenfalls sogar Erpressungsversuchen oder grundlosen, falschen Anschuldigungen zu schützen sind.

Ganz anders sieht das Regula Schwager, Psychologin und Psychotherapeutin bei der Opferberatungsstelle Castagna.

Im Gegensatz zu Brunner ist sie jedoch fest davon überzeugt, man solle «lieber zu viel bei der Polizei melden als zu wenig». Was aber passiert, wenn der vermeintliche Täter in Wirklichkeit unschuldig ist? Die falschen Gerüchte womöglich seine Existenz zerstören? «Eine Falschbeschuldigung ist eine Katastrophe», sagt Schwager. «Doch der Existenz eines Einzelnen steht die Existenz Hunderter potenzieller Opfer gegenüber. Wegschauen ist am schlimmsten.»

Eine unschuldig zerstörte Existenz als bedauerlichen Kollateralschaden. Die naive Vorstellung dass Kinder und Teenager unschuldige, kleine Engel sind, lässt grüssen. – Längst liest diese Altersgruppe das „20 Minuten“. Schon lange hat sie begriffen, dass Eltern, Lehrer und andere Erwachsene erpressbar sind, indem ihnen genau eines dieser Dinge vorgeworfen wird, das sie niemals tun dürfen.

Wann endlich wird unsere Gesellschaft erwachsen und nimmt ihre Verantwortung wahr? Das würde heissen, nicht mehr wegschauen

  • wenn Kinder und Jugendliche missbraucht werden.
  • wenn Erwachsene an ihrer Sexualität verzweifeln müssen, weil sie sich strafbar machen.
  • wenn Kinder und Jugendliche Unwahrheiten behaupten und damit unschuldigen Erwachsenen ihre Leben zerstören.

Letzteres ist nicht in Kauf zu nehmen nach dem Motto, solange es andere betrifft, kann es mir egal sein. Erst wenn ein Mensch selbst betroffen ist, realisiert er, welche Wirkung hier das Wegschauen hat. Ein Mensch, der niemandem etwas zuleide getan hat, hat keine „hunderte potenzielle Opfer“ als Gegenüber. Kein einziges. Das einzige Opfer ist er, der fälschlicherwiese als Täter beschuldigt wird.

Wie lange wird es dauern, bis unsere Gesellschaft hier besonnener und damit gerechter wird?

Ferien?

Natalie Rickli meldet sich nach ihrem Burnout zurück. Vieles was im Sonntagsblick, Exklusivinterview mit Natalie Rickli,  vom 4. 2. 2012 steht, musste man so erwarten.

Natürlich ist die anspruchsvolle Arbeit schuld, hat sich Rickli verausgabt, ist der politische Widerstand kräftezehrend.

Natürlich weiss nun Rickli was Sache ist und belehrt via Medien alle im Lande, was ein Burnout ist. Neben dem Sonntagsblick war sie gestern in der Tagesschau und heute abend ist sie im Puls zu Gast. Puls ist keine Sendung, die ich sonst schaue. Heute abend werde ich wohl oder übel schauen müssen, damit ich aus erster Hand informiert bin.

Diese wenigen Zeilen aus dem Sonntagsblick, finde ich bemerkenswert

Wie ging es nach den zweieinhalb Monaten in der Klinik weiter?
Ich brauchte Distanz. Ich wollte in Ruhe gesund werden. Ohne dass ich in der Öffentlichkeit erkannt werde. Deshalb weilte ich zwei Monate im Ausland. Zuerst zur Kur, und dann habe ich mir noch etwas Ferien gegönnt.

So wie Rickli ihren Zusammenbruch davor beschrieben hat, scheint sich das Burnout als Depression ausgewirkt zu haben und Rickli ist in eine Klinik eingetreten.

Nur wer sich damit befasst oder selbst PatientIn war, weiss, dass wie bei allen Erkrankungen ein enormer Zeitdruck auch in der Psychiatrie und dementsprechend in den Kliniken herrscht. Die Krankenkassen bezahlen oder bezahlen nicht. So einfach ist das. Es gibt Kliniken, die setzen die PatientInnen nach drei Monaten vor die Tür, egal wie gut oder schlecht es ihnen geht. Sie, liebe(r) LeserIn ahnen es schon. Die Krankenkassen bezahlen keinen längeren Aufenthalt.

Insofern ist es sehr interessant dass bei Rickli nach 2 1/2 Monaten Klinik eine Kur folgt. Sie ist damit im Zeitlimit von drei Monaten drin. Ob die Kur über die Krankenkasse abgerechnet wird, ist unklar. Aber selbst eine Hardllinerin und SVP Frau hat länger als drei Monate gebraucht, um wieder soweit auf die Beine zu kommen, dass sie zurück in ihren Alltag kann.

Über den genauen Wiedereinstieg in Beruf und Politik herrscht im Interview Schweigen. In aller Regel werden PatientInnen schrittweise wiederbelastet. Die Prozente der Arbeitstätigkeit werden nach und nach erhöht. Wer zu 100% krank geschrieben ist und das über längere Zeit, hat in der Regel weniger Ferien zugut. Deshalb erstaunt dieser Satz über „sich etwas Ferien gönnen“ sehr gerade in zweierlei Hinsicht.

  • Es besteht die Möglichkeit, dass Überzeit abgebaut wurde. Viel naheliegender scheint mir, dass die Krankheitszeit medienkonformer gestaltet und deshalb dreigeteilt wurde.
  • Ein aus der Psychiatrie ausgetretener Mensch soll in der Regel in eine Tagesstruktur und nicht in die Ferien. Es ist nicht nachvollziehbar, dass eine Politikerin das Gegenteil von dem tut, was für ihre Krankheit empfehlenswert ist.

Zuerst Klinik, dann Kur, wie bei einem Beinbruch – PatientInnen der Psychiatrie gehen in der Regel nach der Klinik nach Hause und nicht zur Kur – und zum Schluss noch etwas Ferien. Braungebrannt und fröhlich kehren wir heim.

Die Worte les ich wohl, allein mir fehlt der Glaube…..

„Time will tell“, sagen die Amerikaner. „Die Zeit wird erzählen, wie es weitergeht,“  heisst dieser Satz auf Deutsch. Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

Oder vielleicht doch: Bei vielem, was Geschrieben steht, ist es von Vorteil, wenn man sich in dem Fachbereich auskennt. Man fällt nicht auf schöne Worte rein und lässt sich weniger Sand in die Augen streuen. Wenn ich als LeserIn nichts weiss, wie soll ich beurteilen können, was stimmen könnte und was nicht?

Mich verwundert es, wenn jemand sich nicht scheut, das Gegenteil von dem, was bekömmlich ist, anzupreisen. Für mein Empfinden handelt es sich nicht mehr um Schönfärberei, um sich etwas besser ins Licht zu stellen, es geht um die Verantwortung den Bevölkerungsanteilen (25%) gegenüber, die denken, dass solche Interviews wahr sind und eins zu eins stimmen.

Gegenbeispiel gleichentags

Der andere Fall, eines Buschauffeurs, der Kinder, die er chauffiert hat und andere sexuell missbrauchte, ist online verfügbar.

Auffällig ist hier, dass der Arbeitgeber des Chauffeurs wusste, dass das Problem besteht. Der Chauffeur wurde trotzdem für SchülerInnentransporte eingesetzt. Es ist für einen Laien unverständlich, dass ein Arbeitgeber nicht die Konsequenzen aus seinem Wissen zieht. An und für sich ist es grosszügig, dass ein Mensch-mit-Vergangenheit eine zweite oder dritte Chance bekommt. Er kann allerdings Erwachsene transportieren und ist von Kindern und erst recht behinderten Kindern fern zu halten.

Wenn nun Leben des Chauffeurs aus den Fugen gerät, er muss für fünf Jahre ins Gefängnis, dann ist das die Konsequenz seines Verhaltens. Die Spielregeln und Gesetze unseres Staates sind bekannt.

In wenigen Jahren wird sich das Problem wieder stellen. Wie lebt ein Mensch mit dieser sexuellen Neigung als verantwortungsbewusster Mensch in unserer Gesellschaft. Vielleicht kann er sich behinderte Menschen zum Vorbild nehmen. Die können ihre Sexualität oft nicht ausleben, weil kein(e) PartnerIn vorhanden ist. Kalt Duschen ist angesagt und keine Straftaten. Aus der Perspektive eines behinderten Menschen ist vieles, was andere tun, unverständlich.