Festtag

Heute ist der grosse Festtag für mich in diesem Jahr. Die Voraussetzungen sind nicht optimal, aber gut. Ich habe meine Medikamentenfehler in den Griff bekommen, ich habe 6 Std. geschlafen, hoffentlich noch ein Mittagsschläfchen und ich bin ausgeschlafen wie ein Baby. In der CH sagen wir mit Altbundesrat Ogi: „Freude herrscht.“

Also durch den Tag nur leichte Beschäftigung, Ruhepausen und vermutlich werde ich versuchen mich hübsch zu machen. Lippenstift auf die Nasenspitze oder so. :-) Mein Assistent kann mir meine Ohrstecker anziehen, also gibt es zur Feier des Tages Ohrstecker. Ich kann in meinen Schuhen wühlen und gucken, was ich mir an die Füsse schnallen will und nur für heute kann ich mir Zeit nehmen, meinen Kleiderschrank zu begutachten und nach was anderem zu gucken als den ewig gleichen Klamotten. Ich ziehe immer meine selbstgenähten T-Shirts an und darüber einen Pulli. Ich könnte mich in eine Bluse werfen. Ich könnte meine Lederjacke anziehen. Ich könnte Spass haben. – He, ich könnte mir sogar Frenchnails montieren. Meine Nägel sehen bescheiden aus wie immer nach einer schweren depressiven Phase.

Wenn ich mir so überlege, was ich alles könnte, habe ich echt viel zu tun. Ich wünsche allerseits einen schönen, letzten Adventssonntag und immer schön die Ohren steif halten. Untergehen ist keine Option.

Vor der eigenen Türe wischen

Für die lieben MitleserInnen aus dem grosssen Kanton und jenseits der östlichen oder westlichen Grenze – Geographie ist meine Stärke nicht – wischen heisst auf Althochdeutsch kehren.

Heute war ich zu Fuss einkaufen. Das ist geographisch ideal, praktisch leider nicht, weil ich keine Ahnung habe, wieviel Gewicht ich zu Fuss schleppen kann. Also fasste ich einen genauen Plan, wie wenig ich einkaufen wolle. Im ersten Geschäft traf ich den Hauswart meines Blocks, einen älteren Herrn, und bot ihm das Duzis an. Ich ging weiter in ein zweites Geschäft. Als ich zurück bei meinem Block war, versperrten drei Rollstühle den Weg zum Eingang, einer davon der Hausmeister. Scheinbar waren die drei in ein längeres Gespräch verwickelt. Sofort machten sie mir höfllich Platz, ein kleiner Scherz und ich konnte die Eingangsschiebetür mit dem Schlüssel öffnen. Das ist was vom Bequemsten an meinem Behindertenblock, die selbstöffnenden Türen.

Nach dieser angenehmen Begegnung habe ich an meine frühere Wohnsituation gedacht. NachbarInnen, die darauf aus waren, dass es mir schlecht ging, die neidisch und schadenfreudig waren. Warum bloss habe ich mir das 10 Jahre lang angetan. Das war unaushaltbar. Hier kehrt jedeR vor seiner Türe und für alle ist es angenehm.

Ombudsstelle für Spitalwesen

Ich habe mich an diese Ombudsstelle gewandt, weil ich nicht bereit bin, einfach wegzustecken, was ich in den langen Monaten in der Psychiatrie PZM erleben musste. Ich habe die Ombudsfrau nie gesehen. Wir haben tel. zusammen gesprochen. Die Maximalzeit würde ich auf 1 Std. 20 Min. beziffern. Gestern kam mit der Post der Beschwerdevorschlag. Diese Frau kann zuhören und formulieren, an ihr ist ein Psychiater verloren gegangen. Jedenfalls würde ich mir als Patientin wünschen, mein Psychiater würde mir so genau zuhören und so gut verstehen, was ich meine. Die Beschwerdeschrift ist kurz und knapp. Sie konzentriert sich auf die wesentlichen Punkte und ist nicht ausufernd. Damit wird ein einstündiges Gespräch realisierbar mit dieser Grundlage. Ich will mich beklagen aber in einem zeitlich vernünftigen Rahmen. Bekanntlich ist die Gesetzgebung in der CH so, dass die Patienten immer die Dummen sind. Einen Rechtsweg gegen eine medizinische Behandlung einzugehen, lohnt sich schlicht nicht. Aber den behandelnden Ärzten einen Denkzettel verpassen, damit sie in Zukunft traumatisierte PatientInnen in eine Traumatherapie überweisen, das könnte sich lohnen. Genau das ist zumindest meine Intention.

Krampf

Mein Wohnwagen war diese Tage in der Reparatur und ich habe Blut geschwitzt. All diese Missverständniss, wenn Menschen kommunizieren. Dann als Frau darf ich einem Mann und Besitzer einer Werkstatt bestimmt nicht sagen, was der technische Fehler ist. Konkret ging es um die Reparatur der Fernsehantenne. Aus unerfindlichen Gründen wurde mir eine Antenne verkauft, die sich aufklappt und selbständig dreht. Dieses Luxusmodell von Antenne versagt beim leisesten Hauch eines Winters. Die Sicherung geht sofort kaputt und das ist dann das Ende vom TV-Genuss. Also ist die Reparatur die Sicherung auszuwechseln, zu finden im Bettkasten des WoWas. Jetzt aber wollte der Wekstattbesitzer unbedingt die Antenne haben und die ist gerade bei der WoWa Umzugsfirma in der Innerschweiz, Fahrtzeit 1 1/2 Std. ein Weg. Hätte ich machen müssen. Aber die Werkstatt will morgen früh meinen WoWa los werden und damit habe ich ein logistisches Problem, das ich nicht hätte, wenn ich dem Werkstattbesitzer freundlich und bestimmt verticken könnte, was er zu tun hat. Für CH Verhältnisse eine unmögliche Situation. Frau ist Mann technisch überlegen. Das ist echt pfui und geht in der Regel nur ins Auge. Das braucht Fingerspitzengefühl der höheren Grössenordnung.

Ich habe es tatsächlich geschafft. Die Sicherung wurde ausgetauscht und es herrscht Einigkeit dass damit das Problem behoben ist und ich erspare mir viel Leerlauf. Ich bin total k. o. und total happy.

Fögel vliegen vort

Schriftliche Sprache, buchstabieren können, ist ein Gräuel. Einige nennen es Orthographie. Wenn ich dieses Fremdwort buchstabieren könnte, würde ich es auch gebrauchen, Fremdwörter machen stets Eindruck.

Behinderungsbedingt kann ich schlecht buchstabieren, die Kommaregeln überhaupt nicht. Ich wurde als Kind auf Legasthenie geprüft, bin hochkant durchgefallen, weil ich eine Wahrnehmungsstörung habe und keine Legasthenie. Da ich keine hatte, wurde mir die Orthographie mit der Peitsche eingebläut: Der Maler mahlt und die Mutter malt Kaffee. Die Fögel vliegen vort. Tu schausd im Tuten nach wie tie Wörder geschrieben werten.

Das Diktatbüchlein war lang und die Tinte des Korrigierstifts rot und ich habe Rotz und Wasser geheult. Für einige Jahrzehnte konnte ich recht und schlecht schreiben und jetzt auf meine alten Tage fällt alles peu a peu auseinander. Es kann gut sein, dass ich bereits Fehler mache, die ich nicht sehe.

Trotzdem finde ich es wichtig im geschäftlichen Umgang, dass ein Minimum an sprachlicher Korrektheit vorhanden ist. Mir sind etliche HandwerkerInnen und Menschen mit Fachhochschulabschluss begegnet, die katastrophal schreiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie alle LegasthenikerInnen sind. Ich gehe eher davon aus, dass es Desinteresse, Faulheit, Selbstüberschätzung ist. Ein schlecht geschriebener Geschäftsbrief hinterlässt einen bestimmten Eindruck. Es ist einfach so. Ich kann mich dagegen nicht wehren, vermutlich gerade darum, weil ich in solch einem unmenschlichen Ausmass gedrillt wurde.

Rache zum III. und IV.

Okay, ich habe viel erlitten, unsäglich viel und dann waren die lieben Mitmenschen, die meine Situation ausgenutzt haben:

Über ein Jahrzehnt habe ich zusammen mit meinem ehemaligen Versicherungsberater zusammengearbeitet. So langsam veränderte sich unsere Geschäftsbeziehung von nur geschäftlich zu privat. Er war ganz klar ein ungebildeter Landjunge, Erstausbildung Koch, sehr jung verheiratet mit einer verständnis- und liebevollen Frau, fast im Kindesalter zweifacher Vater, sportlich ziemlich fit. Er sah meiner gesundheitlichen Entwicklung zu, ich schwieg, wenn es mir schlecht ging und alberte mit ihm rum, wenn es mir gut ging. Im Frühjahr 2017 wurde ich zwangshospitalisiert. Post, Rechnungen bezahlen sind in der Zeit ein Riesenproblem, er bot an, dies für mich zu machen. Irgendwann hatte die KESB ihren Starauftritt und wiederum war der Versicherungsfachmann zur Stelle und versicherte, dass er meine Administration im Griff habe.

Als meine alte Wohnung geräumt werden sollte, bat ich ihn, mir eine Umzugsfirma zu empfehlen. DAS TAT ER. Ich war bei miserabler Gesundheit und schwieg.

Im Januar 18 wurde ich wieder zwangshospitalisiert. Ich denke es war bei diesem zweiten Aufenthalt, dass er mich um 15`000.- SFr. Bürgschaft bat. Ich war im Spital, ich war krank, ich war allein und abhängig, es ist etwas vom Schäbigsten, was mir von letzt passiert ist. Heute habe ich die Vollmacht für meinen Anwalt unterschrieben, damit er in dieser Sache aktiv werden kann.

Und die geneigte Leserin ahnt es schon, erste Schritte sind eingeleitet, dass die Umzugsfirma zumindest für einen Teil des von ihr verursachten Schadens gerade stehen muss. Den entsprechend unfreundlichen Mailverkehr sollte ich hier veröffentlichen: Die Geschäftsinhaberin kann nicht einen Satz fehlerlos formulieren, hat natürlich keine Schreibkraft und macht sich damit echt zum Deppen. Auch der Versicherungsfachmann kann als Versicherungsfachmann(!) nicht buchstabieren. Er schreibt z.B. meinen Vornamen ewig und immer falsch. Und diese beiden erwarten für sich selbst ein besonders hohes Lohnniveau!

 

Eine Woche

Eine ganz Woche dauert die Nichtdepression an. Heute Abend sehe ich meinen Psychologen wieder. Da bin ich mal gespannt, wie er weiterarbeiten will. Ich bin fürs Stabilisieren. Heute ist die letzte Sitzung und dann hat er drei Wochen Ferien. Deshalb möchte ich nichts beginnen und ich weiss die Wirkung nicht und vielleicht ist sie unangenehm und das muss ich dann einen Monat aushalten.

Ich finde, dass ich genug gelitten habe und meine Probleme möglichst sorgfältig und pfleglich aufarbeiten will. Wie auch immer, diese Therapie wirkt und das in rasantem Tempo und genauso, wie es vorausgesagt wurde: Ein verarbeitetes Trauma mit EMDR verarbeitet, ist verarbeitet und kommt nicht zurück. Da habe ich noch einige von der Sorte, um sie in den Bodensee an der tiefsten Stelle zu werfen mit dem üblichen Schild: Fischen verboten!

Rache ist süss II

Offensichtlich ist es Erntezeit. Gerade habe ich an anderer Stelle Rache genommen. Die Hintergrundsgeschichte: Ich wollte vor einigen Jahren einen Wohnwagen für Wintercamping kaufen, weil ich gern skifahre. Durch mein Alter kann ich nicht mehr täglich fahren, sondern brauche Erholungszeiten. Im kleinen Wohnwagen hatte ich eine Saison Wintercamping gemacht. Der kleine Wohnwagen ist zum Ziehen gedacht und ist nicht spezialisiert auf winterliche Temperaturen im Berneroberland.

Also habe ich mich klug gemacht, welche WoWa Marke ich kaufen wollte. Es gab Superduperluxus oder Mittelklasse oder JEKAMI. Ich entschied mich für Mittelklasse für einen Dethleffs. Ich ging zum nächsten CH Händler. Der schwatzte lange, wusste besser als ich, was ich vermögen würde und hielt sich nicht an Abmachungen.

Also wich ich auf DE als Einkaufsland aus. Dort fand ich ein Ausstellungsmodell, Innenausbau hell und legte sofort meine Hand darauf. Es war völlig klar, dass dieser WoWa ins Berneroberland kommt und dort stehen bleibt. Mir war bewusst, dass ich reparaturmässig ein Risiko einging.

Dann stand der WoWa in der Lenk, Camping Seegarten. Die Fernsehantenne fror ein, irgendwann hatte ich Wasserschaden, die Kühlschrankabdeckung fiel immer aus der Verankerung, das Kochen dauerte eine halbe Ewigkeit…… dieser WoWa war eine helle Freude und die Schadenfreude der CampingmitbewohnerInnen und des Platzwartes war mit Händen zu greifen.

Diese Chose musste ein Ende haben, am 13. Dez. wurde der WoWa samt Überdachung abgebaut und jetzt ist der WoWa in Reparatur. Heute hatte ich Besichtigung. Was, die Gasleitung ist kaputt? Wie wäre es damit, den Leitungshahn zu öffnen? Reparaturdauer 3 Sek.. Diese Erkenntnis habe ich dem betroffenen Mann per E-Mail zukommen lassen und habe mich genial gefreut: Rache ist so süüüüüss!

Mein nächster Campingplatz ist so nahe von Bern, dass mir mein IV-Assistent helfen kann, wenn Not am Mann sein sollte. Ich freue mich, Spix an diesen Ort so intensiv zu gewöhnen, dass sie dort in die Natur kann. Da, wo ich jetzt wohne kann ich sie nicht rauslassen, weil sie nicht zurückkommt, wenn ich sie rufe.

Sich schnell entfernen

Ich war seit Menschengedenken in Psychotherapie und ein Thema war immer, dass mich böse Menschen plagen und ich wie die Maus vor der Schlange erstarre und mich schlecht behandeln lasse. Verbal bin ich total unfähig einen Schlussstrich zu ziehen. Also war die Idee damals, mich z.B. zurück aufs Klo zu ziehen. Das habe ich mir damals in meinem Kopf eingeprägt: Vorwand und körperlich verschwinden.

In den letzten beiden Tagen hatte ich je einmal diese Situation, spontan, völlig aus dem nichts in die Katastrophe katapultiert zu werden. Ich sehe mich vis a vis von dummdreisten Menschen, die mich anpöbeln. Und beide Male habe ich nur eine sehr begrenzte Zeit zugesehen und dann war ich weg. Am Samstag war ich weg, bevor irgendeine Polizei auf den Aufruhr aufmerksam geworden ist. Gestern war ich weg, nachdem ich meine kleine, süsse Rache genossen habe. Die Bemerkung, dass ein Mensch zu tun habe, suggeriert immer Wichtigkeit. Dieses Getue habe ich bei meinen ehemaligen Berufskollegen abgeschaut. Die sind oft verspätet zu Sitzungen erschienen und haben damit ihre unendliche Wichtigkeit demonstriert. Das ich nicht lache, wer seine Arbeit schlecht organisiert, produziert Überschneidungen.

Rache ist süss

Die Einkäufe haben geklappt, vor Schreck war ich 2-3 Std. zu früh in der Stadt mit entsprechend geringem Publikumsaufkommen. Im Altersheim hat es eine kleine Cafeteria. Dort habe ich mir einen Kaffee und ein Gipfeli bestellt und eine Heimbewohnerin anfragen lassen, ob sie mit mir Kaffee trinken möchte. Das wollte sie und so verbrachten wir eine vergnügte gute Stunde.

Irgendwann fand ich, ich könne nun bei meiner Mittagessendame klingeln, was klappte und wir unterhielten uns vergnügt, gingen dann in den Esssaal, wo ich mich bemühte all die BewohnerInnen freundlich zu grüssen, die mich während meines Aufenthalts gegrüsst hatten. Das was plötzlich eine riesengrosse Menge Menschen.

Als wir den Esssaal verliessen, sah ich ihn schon von weitem, meinen ersten Exehemann, diesen Menschen, der so gar nichts Menschliches an sich hat. Bekanntlich ist seine Mutter in diesem Heim und ebenso bekanntlich behandelt er mich wie den letzten Dreck. Die Situation war genial günstig: Eine Menschenmenge in der der Herr Professsor garantiert Haltung bewahren muss und nichts anderes tun kann, als Höflichkeit zu heucheln. Also sprach ich ihn an und fragte, was mit seiner Mutter sei, sie esse nicht im Esssaal und ich sei um Informationen gebeten worden. Und dann geschah genau das, was ich erwartet hatte, der Herr Professor konnte nicht anders als Haltung bewahren. Ich schaute dem kurz zu und erklärte dann, ich hätte zu tun und weg war ich. Vorher heuchelte ich rasch mein herzliches Beileid, weil die Dame im Sterben liegt und laut ärztlichen Prognosen die Feiertage nicht mehr erleben wird. Minus ein böser Mensch auf dieser Welt.

Diese Rache war zuckersüss und ich werde mich noch lange innerlich grinsend an sie erinnern.