Nur Angst

Ende Woche habe ich diesen Facharzttermin. Ich muss Dienstleistungen von ihm haben, was meine Medikamente betrifft und diese sollte er bitteschön gut erbringen. Daneben habe ich elementare Angst und Traumatas, die noch voll aktiv sind. Ich gehe zum Arzt und überlege mir, was ich wie sagen soll, damit ich die Dienstleistung bekomme, die ich so dringend benötige. Eigentlich sollte ein Arzt mich behandeln und nicht ich ihn.

Aber so läuft es nicht. Wenn ich irgendeinem Arzt in die Finger gerate, dann habe ich genau die Symptome seiner Fachrichtung: Der Neurologe findet neurologische, der Psychiater psychiatrische und der Traumatologe traumatische. Ich sitze auf irgendeinem Stühlchen, kratze mich am Kopf und denke, was stimmt nun? Nicht zu vergessen, dass ich mit knapp drei Monaten Rauchentzug von dem Geschehen auch noch Symptome haben kann wie Schlafschwierigkeiten, Gereiztheit, Depression, Übellaunigkeit.

Das macht das Ganze nicht einfacher. Es war ein ungünstiger Moment mit dem Rauchen aufzuhören nach dem Motto, es ist alles zu viel, also schmeisse ich noch einen Rauchstopp drauf. Der geht dann in der Totalüberforderung unter und fällt nicht weiter auf.

Am Freitag dieser Termin und ich habe echt Schiss. Was wenn dieser Facharzt wieder nichts taugt und ich nochmals einen anderen suchen muss? Ich verstehe nicht, warum diese Fachärzte nicht einfach ihren Beruf ausüben mit ihren Kompetenzen und wenn es über ihr Fachgebiet geht, die PatientInnen weiterleiten. Aber nein, es wird behandelt, was das Zeug hält, ich nenne es verwaltet und die PatientInnen wie in meinem Fall leben mehr schlecht als recht und werden retraumatisiert und neu traumatisiert ohne Ende.

Wenn ich heute schon so fest Angst habe vor einem Termin, der am Freitag kommt, dann ist da was im Busch, was dort nicht sein sollte.

Unverständlich

Früher haben mich Menschen gefragt, was ich alles erlebt habe mit meiner Behinderung, mit meiner Familie, mit meinen Kindern etc..

Immer mal haben die Fragenden abgeblockt, insbesondere wenn ich zu viel über meine Kindheit und meine Ursprungsfamilie erzählte. Mir war das jeweils unverständlich. Warum fragen Menschen nach Informationen, die sie nicht hören wollen. Das ergab für mich keinen Sinn. Das andere, was für mich keinen Sinn ergab war, dass ich diese Dinge erlebt habe an meinem eigenen womöglich noch kleinen Kinderkörper und erwachsene Personen kippten innerlich um, wenn sie nur davon hörten.

In diese Falle bin ich sehr oft getappt, zu oft. Ganz klar sind meine Schmerzgrenzen total verschoben, wohl nicht nur im körperlichen Bereich, sondern auch im seelischen. Schliesslich wurde das, was ich erlebt habe als normal oder gar liebevoll und fürsorglich benannt. Da fand ich wohl manches normal, was diesen Begriff nicht verdient.

Natürlich hat mich dieses Abblocken jeweils verletzt und ich begriff nicht, warum Menschen so wenig belastbar sind, wenn ich es doch von klein auf sein musste.

Wer jetzt denkt, das würden nur Laien tun, der liegt falsch. Sog. Fachpersonen tun dasselbe. Sie beginnen zu werten. Einmal sagte ich einer Fachperson, die mich negativ bewerten wollte, sie solle  meiner Hausärztin anrufen, sie kenne alle Beteiligten. Das hat sie getan und dann war Ruhe im Karton.

Fehlplazierter Stein

Ich reagiere immer gleich auf Untragbares. Ich halte die Luft an und in meinem Bauch wohnt ein Stein.

Heute in der Therapie habe ich den Stein erwähnt und so wurde er zum Thema. In keiner anderen Behandlung habe ich es bisher erlebt, dass dieser Stein in einer Sitzung so bearbeitet werden kann, dass ich nur noch fühle, dass da mal was war, dass aber der Stein selbst weg ist. Ich erinnere daran, dass ich selbst hochkonzentriert mitarbeite, indem ich nach den Vorgaben imaginiere, fühle und beurteile. Nix von der Therapeut macht und ich leg mich mal in die Hängematte.

Zwei Themen wurden heute bearbeitet. Eines hat mein Psychologe noch nie erlebt. Er hat es entsprechend gewürdigt als erniedrigend und vernichtend. Das ist zwar unangenehm, solches erlebt zu haben, aber es ist sehr befreiend endlich jemanden gefunden zu haben, der blitzschnell spürt, wie das gewesen sein muss und das aushält, nichts schön reden muss. Das zweite Thema war herzlos und vernichtend, also kein Deut besser.

Beide Themen wurden verarbeitet und dann war der Stein weg. Ich bin gespannt, wie lange dieses Gefühl der Erleichterung andauert, wie mancher Stein noch des Weges kommt. Nächste Woche bekomme ich Instruktionen, wie ich selbst versuchen kann, mir zu helfen. Das habe ich zwar in meinen Imaginationen versucht, aber völlig falsch, weil ich nur dachte, der Stein stehe für eine vergangene Last und mir nicht bewusst war, dass er für ein Thema oder mehrere Themen steht, die nicht verarbeitet sind.

 

 

8-tung Weiterlesen nicht für Zartbesaitete:

  • Inhaltlich ging es darum, dass ich täglich die Essensreste vom Teller meiner Mutter zu essen bekam, um dann als dick verspottet zu werden. Objektiv betrachtet war ich normalgewichtig, meine Mutter magersüchtig und meine ältere Schwester sehr schlank, vielleicht sogar untergewichtig. ———– Ich bin wertvoll und hübsch.
  • Weil ich mit einem Mann geschlafen hatte, sprach meine Mutter nicht mehr mit mir und ich musste diesen Zustand zwei Jahre lang bis zu meiner Hochzeit aushalten. Mein Vater blieb passiv. ————- Ich bin neugierig und ich werde geliebt.

 

Nach dem Aushalten und Verarbeiten des Vergangenen, wähle ich aus einem Angebot Sätze, die jetzt zu mir passen. Solche Sätze habe ich fett geschrieben. Die gibt es als Belohnung nach dem unangenehmen Teil der Arbeit. Was getan wird ist genau strukturiert, hat einen logischen Ablauf. So kreativ die Arbeit ist, so präzise sind die einzelnen Schritte. Ich bin auch schon im Irgendwo-Nirgendwo gelandet, sehr beliebt der Fehler zu sehr ins Trauma eingewickelt zu werden und den Abstand zu verlieren. Da braucht es hilfreiche Anleitung und Begleitung zurück zum sicheren Ort.

Flashbacks

Gestern habe ich gelernt, dass ich keine Ahnung habe, was alles Flashbacks sind. Natürlich sind die aktiv. Offenbar gibt es sowas wie ein Drängeln um Gesundheit. Ich stelle mir das vereinfacht so vor, dass ich in einem Kochtopf rühre und da sind z. B. Gemüsestückchen drin und je mehr ich rühre desto mehr kommen an die Oberfläche und das kann in der Therapie gleich behandelt und verarbeitet werden.

Ich habe schon mehrfach beschrieben, was der Unterschied zw. meiner Traumabehandlung und gängiger Psychiatrie ist, zumindest wie ich sie erlebt habe.

In der Traumabehandlung werde ich nicht bewertet und ich mache nichts falsch, nein, ich müsste mir nicht etwas mehr Mühe geben, anders denken lernen. Auch wenn dieser Aspekt nicht heil macht, aber es ist eine gewaltige Erfahrung völlig ohne die ewige Schuldfrage arbeiten zu können. Aus der Suchttherapie weiss ich schon lange, dass die Schuldfrage obsolet ist. De facto ist die Gesellschaft anders organisiert.

Also ich habe alles gut gemacht, es war zu erwarten, dass ich mehr Hilfe brauche und dass wieder eine Depression kam, die höchstwahrscheinlich schneller vorbeigeht. Das scheint ein gängiger Gesundheitsverlauf zu sein, dass die Krankheitsphasen kürzer werden.

Die wichtigsten Themen, die hochgekommen sind, haben wir gestern mit EMDR verarbeitet. Falls irgendwas nochmals aktiv wird, werde ich mir Mut machen, dass dieses Thema der Vergangenheit angehört.

Der Psychologe hat auch gesagt, dass meine täglichen Meditationen wieder wirksam werden durch die Therapiesitzungen.

Ich habe es von Anfang an verglichen mit dem Erlernen einer Fremdsprache. Es ist viel Konzentration und viel Übung. Ich soll übrigens sehr schnell sein beim Lernen.

 

Guter Rat teuer

Viele Menschen scheinen zu denken, dass Menschen wie ich ihre Probleme bündeln können, um sie einer Fachperson darzulegen und sich fachlich helfen zu lassen. So läuft es weder bei mir noch bei Traumatisierung in der CH.

Wer nicht mitgelesen hat: Im Alter von zwei Jahren wurde ich medizinisch behandelt, so dass ich unerträgliche Schmerzen erlitt. Das ist meine erste Traumatisierung. Die läuft natürlich völlig unentdeckt mit mir durch meine Lebenszeit. Klar, dass ich damals nie von mir gesagt hätte, dass ich traumatisiert sei. Mit zwanzig wusste ich glasklar, dass ich Nacherziehung brauche, wie ich es für mich nannte, dachte, dass ich das selbst erledigen könne. Mit 22 Jahren kam die erste offizielle Depression, ein klassisches Symptom von Traumatisierung. Die ging vorbei, dann war einige Jahre Ruhe etc. etc. bis zu dem Punkt als ich pro Jahr 2 bis 4 Depressionen bekam.

Ich erinnere mich genau, wie ich in einer Klinik der Physiotherapeutin gegenüber schüchtern formulierte, dass ich als Kind auf die Physio wie auf Folter reagiert hätte. Wie höflich, schüchtern und zurückhaltend war meine Formulierung. Sie stopfte mir meinen Mund für Jahre. Trotzdem blieb in meinem Bewusstsein, dass ich traumatisiert sei auf nicht anerkannte Art. Mir kamen andere Themen in den Sinn, bei denen das Leiden der Betroffenen unter den Tisch gekehrt wurde, jahrzehntelang, möglichst so lang bis die Betroffenen gestorben sind. Tote kosten nichts.

Immer hat sich meine Gesundheit verschlechtert. An irgendeinem Punkt war sie unaushaltbar und die klassische Reaktion der Mediziner war Repression.

Jetzt bin ich erste Schritte mit meinem Traumatologen gegangen. Ich bin in keiner Depression. Mein Alltag ist total unbefriedigend, ich schaue praktisch nur Trash-TV und alle meine Hobbymöglichkeiten stehen und liegen ungenutzt herum. Natürlich kann ich keine Wunder in wenigen Stunden erwarten. Ebenso natürlich ist es für mich schwierig weiter auszuhalten und abzuwarten, bis die Therapie mein Leben hoffentlich zusehends verbessern wird.

Schweigen oder schreiben, Dampf ablassen oder aushalten? Keine Ahnung was richtig ist. Die schlechten Energien der unverarbeiteten Traumatas rasen natürlich ständig in meinem Körper. Kommt mir oft so vor als hätte ich in meinem Oberkörper eine Spielzeugautorennbahn und die Autos rasen wie wild.

Klar ist, dass ich so clever sein muss mit meinen eigenen Resourcen, dass ich überlebe. Das muss frau sich auf der Zunge vergehen lassen: Ich bin 60 Jahre alt und lebe. Dazu gehört, dass ich das, was ich hier schreibe meistens drei-, viermal lese. Schreiben gilt in der Feld-, Wald-, Wiesenpsychiatrie als eine Möglichkeit der Verarbeitung. Keine Ahnung, ob Schreiben kleinere Probleme löst oder grosse etwas verkleinert. Zu wünschen wäre es.

Traumatherapie

Ich versuche laienhaft zu beschreiben, was ein Trauma ist und was die Traumatherapie macht.

Traumatisiert wird ein Mensch, wenn er einer Situation hilflos und passiv ausgeliefert ist. Er kann in keine Aktion gehen, die an seiner misslichen Lage etwas verbessern würde. Mein erstes Bsp.: Ich bekam sehr schmerzhafte Physiotherapie ab dem Alter von zwei Jahren, ich habe geschrien wie am Spiess, das hat niemanden interessiert und irgendwann bin ich verstummt. Das ist eine klassische traumatisierende Situation. Ein zweijähriges Kind ist den Erwachsenen hilflos ausgeliefert.

Was passiert? Die Energie, sich zu wehren, sich selbst zu helfen, kommt nicht zu einem guten Abschluss und beim geringsten Auslöser, wird das Trauma wieder aktiv, natürlich mit heftigsten Emotionen. Ich z. B. höre mir zu, wie ich etwas erzähle, wie erregt meine Stimme ist, ob ich fast schreie. Dann bin ich über mich informiert. Z. B. die PZM Erlebnisse  sind nur traumatisierend, ich habe den ersten Aufenthalt „Guantanamo 2“ getauft:

  • Einzelhaft, eingeschlossen tagelang, die angeblichen Gründe frei flottierend, völlig sinnfrei
  • 5 Punktfixierung gegen renitentes Verhalten
  • Kein Toilettenzugang, völlig willkürlich
  • Chemische Zwangsbehandlung, trauriger Höhepunkt Haldol, was ich wegen meiner Spastizität überhaupt nicht vertrage und in schmerzhaften Krämpfen auch meiner rechten Seite endete.
  • Essenskontrolle und – willkür, wenn weggesperrt
  • Gewalt an mir vom Personal – es gibt etliche youtube Filme und immer schildern ZwanspsychiatriepatientInnen, dass sie nicht informiert wurden, was das Personal von ihnen wollte, dafür erlebten sie vom Personal Gewalt – und von zahlreichen MitpatientInnen. Ich war körperlich so schwach, dass ich ein gefundenes Fressen war für SchlägerInnen.

Eine Traumatherapie bringt nun diese Energie, die im Körper rumrumort, zu einem guten Abschluss, das Trauma wird verarbeitet und dann ist es nicht mehr so aktiv oder überhaupt nicht mehr aktiv. Eines meiner schlimmsten Erlebnisse hat dazu geführt, dass ich ab dem Zeitpunkt, als ich es erlebte, jährlich 2 bis 4 Depressionen habe. Der Traumatologe und ich haben an diesem Trauma gearbeitet in einer Stunde. Es war nicht total gelöst in einem Durchgang, aber ich habe doch gelernt, dass diese Bedrohung vergangen ist und nicht in meiner Gegenwart stattfindet. Das ist wichtig, zu lernen, dass etwas der Vergangenheit angehört. Ein unverarbeitetes Trauma bleibt in der Gegenwart.

Wenn ich mein Leben anschaue, dann denke ich, haben sich die Traumatas angehäuft und meine Lebensqualität hat sich im gleichen Ausmass verschlechtert. Aber ich habe, weil ich sehr viele Resourcen mitbringe, mich sehr lange recht und schlecht über Wasser halten können.

Wie es geht mit Traumatas zu leben, das weiss ich und wie es geht Traumatas zu verarbeiten, das lerne ich.

2019

Zum erstenmal seit geraumer Zeit gucke ich neugierig in ein Neues Jahr. Was könnte es bringen?

  • Weitere Arbeit an den Traumatas
  • Weiteres Wohlbefinden
  • Alltag und Freizeit mit Jonathan, weiteres Zusammenwachsen
  • Lernen mir peinliche Wünsche zu formulieren und anzuleiten, dass sie so ausgeführt werden, wie ich möchte. Ich muss nicht alles können. Klassische Probleme Fingernägel schneiden und Wimpern zupfen.
  • Vielleicht die Kletterwand ganz klettern oder bleibt die Höhenangst?
  • Ferein? Werde ich sogar in die Ferien fahren können?
  • Wird sich Spix an den Campingplatz gewöhnen?

Ehrlich, es lebt sich ziemlich einfach, wenn ich darauf vertrauen kann, dass der Traumatologe und ich meine Depression wirklich lindern können, wenn sie denn nochmals auftauchen sollte.

Meine Krankengeschichte ist klassisch für ein Mensch, der in der Kindheit traumatisiert wurde. Was mich erschreckt ist, dass ich all die Jahrzehnte keine Traumatherapie bekam in der medizinisch doch ach so gut dotierten Schweiz. Nein, ich wurde im Gegensatz darauf getrimmt, dieses immense Leiden aushalten zu müssen und die Ärzteschaft und behandelnden Spitäler verdienten sich eine goldene Nase und ich litt und litt und litt und sollte gefälligst NICHT jammern. Ehrlich, ein solches Leben begehre ich Null Sekunden.

Hinter jeder Depression kann eine Traumatisierung stecken und dann gehört dieseR PatientIn in die richtige Behandlung, auch nicht zu einem bzw. einer Traumakurpfuscher. Wenn ich google bieten sich sog. TraumaspezalistInnen mit den unglaubwürdigsten Ausbildungen an. Eine ärgert mich masslos, dabei handelt es sich um eine Psychiaterin deren Patientin ich 8 Jahre lang war. Wenn die von Traumatas was verstehen würde, hätte ich längst keine mehr.

Ich hoffe, dass es mir in diesem Jahr 2019 langsam dämmert und in mein Gefühl übergeht, dass all diese schrecklichen Erlebnisse Vergangenheit sind. Und die Zukunft liegt vor mir. Je freier ich werde, desto mehr.

Ärger über Ärzte

Seit 58 Jahren bin ich traumatisiert, seit ich im Alter von zwei Jahren Physiotherapie nach Bobath bekam. Täglich Übungen, die mich schmerzten. Täglich sollten meine Gliedmassen, die nicht der Norm entsprachen, in meiner Erinnerung bildeten meine Füsse ein „T“ beim Gehen, so manipuliert werden, dass sie normierter wurden und normierter aussahen. Der rechte Fuss war der Strich, also gerade und der linke Fuss war dass Dach des Ts, also total im 90° Winkel oder fast in dem Winkel nach innen gedreht. Dieser Fuss und dieses Knie MUSSTEN RAUS. Beim Arm liegt vermutlich eine Misshandlung vor, den kann ich nicht ganz strecken, was atypisch ist für ein CP. Frau muss vermuten, dass einE ErwachseneR falsch zugelangt hat und mein Ellbogen dabei verletzt wurde. Auch die Hand und der Arm sind teilweise gelähmt (=Hemiparese).

Also ich hatte wirklich gewonnen, unnötig zu erwähnen, dass das alles unter dem Schildchen „schöne Kindheit“ segelte. Da ist einem Menschen gründlich die Sprache vergangen, wenn er körperlich spürt, dass er oder sie traumatisiert ist und verbal soll er oder sie für die schöne Kindheit danken.

Schon mit 20 Jahren wusste ich instinktiv, dass sich was grundsätzlich verändern musste und dass das dauern würde. Mit ca. 22 Jahren die erste sog. Depression. Völlige Fehldiagnose, ich war schon damals traumatisiert. Die nächsten 38 Jahre können wir überspringen, die Fehldiagnosen werden immer beleidigender, dreister und falscher.

ICH HABE MEINE DIAGNOSE SELBST GESTELLT, ICH GANZ ALLEIN!

Und es ist nicht das erste und einzige Mal in meinem Leben, dass ich für mich Ärztin spielen muss. Lactoseintoleranz haben die Schulmedizinärzte diagnostiziert, aber da war ich schon über 50 Jahre alt und hatte mindesten 35 Jahre lang völlig unnötig gelitten. Leider kommt mir KEIN anderes Bsp. in den Sinn, wofür ich Ärzte positiv verwenden konnte.

Mit der komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung als Neudiagnose kommt sogar die Neurologische Diagnose ins Wanken. Da lese ich immer, dass ich meine Depressionen und mittlerweilen meine angebliche bipolare Störung haben müsse aufgrund meiner HIRNVERLETZUNG.

Wenn ich mir in Zusammenarbeit mit dem Traumatologen Gesundheit und Lebensqualität erarbeiten kann, dann ist diese neurologische Diagnose einfach falsch und ein Hirngespinst von Hirnärzten. 38 Jahre Leiden, 58 Jahre seit der ersten Folter, manchmal fehlt mir das Verständnis für die Schulmedizin. Ich komme mir vor wie eine politische Gefangene, die jahrzehntelang eingesessen hat und jetzt noch einen unbekannten Teil ihres Restlebens zur Verfügung hat und als einziges das beste daraus machen kann. Die Vergangenheit kann auch ich nicht ändern. Aber ich wünschte, die heutige Schulmedizin würde mehr taugen. So wahnsinnig einmalig sind weder eine CEREBRALE PARESE noch TRAUMATAS. Es gibt aus meiner Sicht keine Entschuldigung für das Versagen der Schulmedizin.

 

Nachtrag: Meine zweite Tochter wurde mit der Hilfe eines sehr guten Frauenarztes geboren. Er ist lobend zu erwähnen. Solche Arbeit erwarte ich von einem Arzt.

Wer sich jetzt über die Geburt meiner ersten Tochter wundert: USA, Narkosefehler, traumatisierend, ich brauchte eine Krücke, um mich zu bewegen, ich war akut erneut hirnverletzt und habe permanente Schäden davon getragen. Eine solche Erfahrung wünsche ich keiner Frau. Damals hatte ich mein Studium noch nicht beendet. Ich war nie tot bei irgendeinem medizinischen Mist, ich musste immer von Niveau x her kämpfen. Dieses ewige Kämpfen ist extrem ermüdend.

 

Total manisch

Achtung, diese Zeilen sind sarkastisch und ironisch. Der Hintergrund: Im PZM wurde ich als sehr manisch diagnostiziert: Eine bipolare Störung ohne jegliche normale Phasen, nur höchste Manie und für die Psychiater total uninteressant tiefste Depressionen.

In Wahrheit habe ich eine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung.

Nach PZM Psychiater war ich heute höchst manisch: Ich habe meine gesamte Bettwäsche abgezogen und habe die Neue in mehreren Anläufen angezogen. Die Bettdecke kann ich noch immer nicht ganz aussschütteln, also habe ich sie in Teilen ungefähr hingelegt. Schlafen kann ich so, das muss nicht pickfein aussehen.

Aber diese manische Energie, völlig verboten und total krankhaft. Ich frage mich immer warum alle anderen Menschen solche Arbeiten erledigen dürfen, ohne als manisch im höchsten Grad zu gelten.

Es ist sicher 3-4 Jahre her, dass ich mich traute, eine solche Arbeit ganz alleine zu erledigen. Es ist eine Frage der rohen Körperkraft und natürlich der Depression, aus meiner Sicht. Ich habe mir gedacht, dass ich im Notfall sowieso schlafen kann auf einem angezogenen oder nicht angezogenen Bett. Letzteres ist nicht wünschenswert, aber völlig ungefährlich.

Und nochmals, nur heute habe ich es geschafft. Ich wollte es ganz fest, ich habe es gern etwas gepflegt, auch wenn jetzt Weihnachtsferien sind und ich weniger Hilfe habe als normal. „Mount Everest“ brauche ich deshalb aber nicht wöchentlich!

Hingefallen

Heute hat es mich erwischt. Angefangen hat der Tag um 2.30 Uhr, die Nacht war viel zu kurz, ich wusste, dass ich müde war. Mit ÖV fuhr ich in die Stadt, um mit meinem Assistenten, Jonathan, auf dem Weihnachtsmarkt Glühwein zu trinken.

Wir wollten zuerst eine Runde spazieren und da ist es passiert. Der linke Fuss blieb hängen und ich fiel der Länge nach hin, wie ein Brett, der Kopf berührte den Asphalt, der Reflex mit den Händen abzufedern, war vorhanden, reichte natürlich nicht.

Mein Assistent und ich waren beide verdattert. Er kümmerte sich um mich, fragte, wie lange ich liegen bleiben wollte und managte den Kontakt zu den Zuschauenden, ich war vor der Jugendherberge umgefallen. So hatte ich Zeit mich zusammenzurappeln. Meine Brille hatte die Nase verletzt und meine rechte Hand blutete aus zwei Schürfwunden. Am schmerzhaftesten war der nicht blutende Hautabrieb an den Händen und Knien. Aus irgendwelchen Gründen schlottere und zittere ich am ganzen Leib, wenn ich von Ereignissen überrollt werde. Mit solch einem Körper mich zu bewegen, fällt mir schwer. So dauerte es ein Weilchen, bis wir die Jugendherberge betraten und um Pflaster baten.

Jonathan hat sehr geschickte Hände und seine Bewegungen sind so fliessend, dass er mir nie Schmerzen zufügt. Auch für meine Ohrstecker hat er Zauberhände. Als wir mit Verbinden fertig waren, schlenderten wir zur erstbesten Parkbank. Jetzt war nur noch Erholung und Entschleunigung angesagt. Unsere Spazierrunde wurde von mir sehr verkürzt. Gemächlich gingen wir zum Weihnachtsmarkt zurück und genossen den Glühwein.

Wenn ich einen kleinen Unfall bauen muss, dann ist es sehr angenehm meinen „Aussenminister“ dabei zu haben. Was war ich froh, dass ich geborgen und beschützt war. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass es seinen guten Grund haben könnte, dass ich davor zurückschrecke, allein zu spazieren.