Schmerzhafte Erkenntnis

Mit den Gefühlen von Menschen, insbesondere bei der Suche eines Partners bzw. einer Partnerin, lässt sich trefflich Geld verdienen. Ebenso klar ist, dass frau natürlich denkt, dass sie nicht auf diese Plattformfakes hereinfallen wird. Die Realität ist anders und der Auszug  von dort umso gerechtferigter.

Umgekehrt ist frau nicht usurpierbar. Mobbing macht sie nicht mit, angreifen tut sie niemanden, ausser sie selbst wird angeödet. Sie unterscheidet sehr präzise, wer andere angreift und wer das Opfer ist. Die  wirklichen Täter stellen ihre Opfer meist als Täter oder Psychopathen dar. Clever, aber nicht clever genug, um frau ohne Aufwachen, mitzureissen.

Insofern ist für frau eine Lebensfrage beantwortet, nämlich die, ob sie einen totalitären Staat durchschaut hätte oder nicht, wenn sie in einem solchen geboren worden wäre. Die Antwort ist, dass sie irgendwann auf ihren eigenen Füssen gelandet wäre, wie eine Katze. Klar muss sie ein System  zuerst kennen lernen und mit der Zeit erfassen, was da gespielt wird.

Lockvogel ich hör dich piepsen und bin verstimmt.

Gmail läuft ab sofort

Nun habe ich auch meine E- Mailadresse  am Laufen, bzw. habe sie wieder zugänglich gemacht : wie1ort(ät)gmail.com 

Den ganzen Tag überlege ich, welche Möglichkeiten ich nun habe, und welche Themen alle ich anreissen kann, relativ einfach, alles was mich interessiert. Mir ist das Umfeld klar, einigen auch, aber ganze Fachbereiche konnte ich bisher am alten Ort praktisch nicht anschreiben.

  • evang.-ref. Theologie
  • Feministische Theologie
  • Frauenbewegung der letzten 2000 jahre in Europa
  • Frauenbewegung in der Schweiz
  • Bücher, die mich interessieren
  • SchriftstellerInnen

Und ganz schön, die meisten meiner LeserInnen werden NT’s sein. Ich aber spreche nicht „Normalisch“ und schreibe auch nicht so, sondern meine Muttersprache ist „Hirnverletztisch“. Wer immer hier zu Besuch ist, wird nachfragen könnnen, wenn er oder sie was nicht begreift. Aber ich als wieort stehe nicht unter dem permanenten Druck, Normalisch zu schreiben und Normalisch zu denken und wenn es nicht zu 100% klappt, „auf sie mit Gebrüll!“ Es wird nie zu 100% klappen.

Was ich dringend brauche, ist einen Lektor, eine Lektorin, die rasch meine Tippfehler rausholt. Ich plane diesen Blog in meinem Buch zu erwähnen, dann muss er ein lektoriertes Niveau haben, nicht im Sinn von „perfekt“, aber orthographisch i.O., auch dem Dativ ist der Akkusativ hold, muss durchgekämmt werden. SchweizerInnen sind da besonders gefährdet.

Wenn ich diesen Blog mit meinem Buch verbinde, dann werden sich einige Menschen ärgern. Das kostet mich bereits den ersten, möglichen, durchaus renomierten Verlag, samt seiner durchaus liquiden und im Fall von „guten Mädchen kommen in den Himmel“, durchaus spendablen Sponsorenschaft. KritikerInnen wie ich, sind erst erwähnenswert, wenn sie 100 Jahre tot sind und nicht mehr beissen können.

Heute hatte ich zufälligen Kontakt mit meinem ehemaligen Sozialamt. Es ist schön, nicht mehr abhängig zu sein, die Akten habe ich mir geholt, die für mich interessanten Seiten kopiert und klar, sagen alle auf dem Sozialamt, beruhige dich ,vergiss das und ich antworte immer: Und ich werde publizieren, ich gehe an die Öffentlichkeit. Dieser Blog ist öffentlich. Was ihm noch ein bisschen fehlt ist das PR, die Masse von LeserInnen. Das könnte erst jetzt ein Ziel werden.

Meine Resourcen sind knapp, die meines Co-Autors ebenso. Mit diesem Blog erspare ich mir, ein Buch zu schreiben, weil alles schon drin steht, was in mein viertes Buch soll.  Es ist nicht so schön präsentiert, wie ein Buch, aber es erreicht die Öffentlichkeit.

Immer wenn andere sagen oder schreiben, ich solle schreiben, ist die Rohfassung des Textes schon da. Ich kann immer noch mein viertes Buch schreiben oder mein Sonderbuch vielleicht wird es auch nur ein Artikel im Zwiegespräch mit meinem Co-Autoren.  Nach dem ersten kommt dieses Nicht-Lioness-Buch.  – Lioness? Ja, Löwin heisst meine kleine Protagonistin in meinem Kinderbuch. Ob ich es bebildert haben wolle, werde ich gefragt, immer doch, einen kleinen Löwinnenkopf habe ich schon gemalen und einen der grossen Löwin abgezeichnet. Nicht weil ich gut zeichnen kann, sondern weil nur ich zeichne, so wie ich die Welt sehe. Ob das eine Option für einen Buchdeckel ist?

 

 

Ereignisreich

Es ist immer daselbe. Während der kranken Tage bleibt alles liegen, die Spitex ersetzt beim besten Willen keine Hausfrau, im Schrebergärtchen verdorren die wunderschönen Himbeeren am Stil und die Ernte  der Gemüsebeete ist mehr als überreif.

Nur die Ernte kann nicht eingebracht werden, die Krankheit hat alles zum Erliegen gebracht. Der Kopf dagegen, der arbeitet pausenlos, sucht nach einem möglichen Ausweg, weiss sich nicht zu helfen, lässt keine Ruhe, hegt und pflegt graue Schleier oder Schlimmeres.

Ist diese Krankheitsphase wieder einmal glücklich überstanden, wird jede Lebenszuckung minutiös und freudig aufgezeichnet, die nach langer Durststrecke wieder positiven Gedanken die unendlich vielen Pläne, der Drang nachzuholen, was wochenlang nicht möglich war, muss ganz gezielt gedämpft werden. Stückchen für Stückchen wird das Leben zurückerobert, Pausen sind sehr wichtig, damit der Bogen nicht gleich überspannt wird, die Untugend Geduld ist angesagt. Un-tugend deshalb, weil die Geduld den meisten Menschen nicht in die Wiege gelegt wird,  sondern erarbeitet und erlitten werden muss.

So also auch heute, seit einer Woche ca. befinde ich mich in der von mir genannten „Rekonvaleszenzphase, das bedeutet, dass ichmich von meinem Stühlchen  erhebe, auf dem ich nun wochenlang still und dumm gesessen bin, strecke meinen Rücken gerade, atme tief ein und erledige mein Programm. so da wäre nur für heute:

  • Diese Webseite bearbeitet, nicht ganz fertig, aber deutlich vorangetrieben.
  • Da wo ich bis gestern gebloggt habe, mitgelesen und eine beunruhigende Beobachtung gemacht. – Nach mehrjähriger  Blogerfahrung weiss ich, wann  sich die graue Wolken über meinem Bloggerinnenhaupt zusammenziehen. Heute wurde ich in einer Intensität beachtet, die sehr ausser der Reihe tanzt und ganz klar dem innigen Wunsch von mancher Frau entspricht für sich selbst und ich als Aussenseiterin weiss nur allzu gut aus einschlägiger Erfahrung, dass ich gleich Schläge kriege, weil sich die Kunde, dass ich(!) ein „wertvoller“ Mensch sei, nicht in der Schnelle verbreiten lässt.
  • Ein Telefon erledigt und meine Reklamation eingebracht, ein Unterfangen, das für mich sehr schwierig ist. Mir scheint, dass ich verstanden wurde und meine Worte wohlwollend aufgenommen wurde. Ob dem so ist, wird die Zukunft zeigen. Die Themen sind mir sehr wichtig und liegen mir am Herzen. Das Gelingen ist ausserhalb meiner Einflussmöglichkeiten und das gleich in mehrerer Hinsicht.
  • Erste Transportmöglichkeiten ausgelotet, wie die entfernte Dachreling des Wohnwagens allenfalls ans Trockene transportiert werden könnte.
  • Eine Einladung gemailt und die zurückgekommene Gegeneinladung gleich beantwortet.
  • Eine virtuelle Freundschaft beerdigt, keine Ahnung was ich jetzt wieder falsch gemacht haben soll, was den Ausbruch solchen Ausmasses als normal erscheinen lässt. Mich virtuell mit einer anderen Freundin ausgetauscht, zwecks Verarbeitung der zu vielen Eindrücke heute. Dieser Freundin an der Stelle ein grosses Dankeschön.
  • Date
  • Arztbesuch
  • Nachtessen mit erhaltenem, handverlesenem Tee genossen, ein sehr schöner Arbeitsausklang

Entsprechend bin ich müde und will nur noch eines,  meine Ruhe! Und den morgigen Tag muss ich um einiges langsamer angehen und hoffentlich hält sich das Unvorhergesehene mehr in Grenzen. Mittags werde ich vermutlich bekocht.

Medikamentmässig bewege ich mich auf Neuland,  da von einem neuen Arzt, erstmalig einem Neuropsychiater verschrieben und auf Anhieb erwünschte Wirkung zeigend, bin ich grundsätzlich positiv eingestellt. Allerdings scheine ich, vermutlich Hirnverletzung sei Dank, atypisch zu reagieren, statt wie geplant und beabsichtigt einen verbesserten Schlaf zu erhalten, ist der  gleich schlecht geblieben. Einschlafen kann ich und nach vier bis fünf Stunden erwache ich und wenig später stehe ich auf. Dieser Rhythmus führt mit meiner CP unweigerlich zu einem körperlichen Zusammenbruch und dann sitze ich wieder auf meinem Stühlchen und starre ins Leere. Ein Notfallszenario muss angekurbelt werden, gleich morgen muss ich den Facharzt anrufen.

Neulancierung 10.10.16

Die Zeit ist rasch vergangen seit dem Juni, der September leider nicht, ein Krankheitsschub hat mich flach gelegt. Am Datum sehe ich, dass der Oktober bald einmal die Hälfte erreicht hat. Was soll ich euch erzählen?

Soeben habe ich diesen Blog nochmals aufdatiert. Wenn ich es richtig sehe und verstehe, müssen meine LeserInnen keine Reklame mehr angucken, was ich als Autorin sowieso nie musste. Ich finde das Attribut „Werbelosigkeit“ insbesondere wichtig für Menschen mit einer Behinderung. Mich stört flackernde Werbung enorm, sie ist ein Energiefresser, wie ich die überflüssigen akkustischen Reize empfinde, könnt ihr unter „Inhalt“ nachlesen.

Mein gegenwärtiges Bemühen geht dahin, KommentatorInnen zu aquirieren und die Themen meines Blogs auszuweiten, ihn zu einer Art Tagebuch zu machen, ganz einfach, weil ich es liebe zu schreiben. Ich habe mir einige, meiner alten Texte angesschaut und mir überlegt, ob ich die löschen soll. Aber ich finde, dass Arbeit Arbeit ist und ich bin ich und ab heute erweitere ich meinen Themenkreis, das ist meine journalistische Freiheit, gerade in einem, von einer einzigen Person geführten Blog.

Technisch muss ich mich um mein Mailadressengewirr kümmern und irgendwann werde ich die sich widersprechenden Mailimpulse unter Kontrolle bringen und dann sollte alles soweit reibungslos laufen.

Jetzt drückt mir bitte die Daumen, dass hier ein aktiver Blog entsteht, mit mehreren KommentatorInnen, nicht die Masse macht es, sondern die Qualität der Beiträge.

Hoffentlich bleibe ich lange vor Trollen, Zweitnicks oder sog. Sockenpuppen verschont. So wie ich die Menschen kenne, die mich mögen, werden sie mir helfen. Daumen drücken gilt!

 

Akteneinsicht

Bekanntlich ist sie nicht sehr gut auf ihre Behörde zu sprechen. Die Menschen, die damals weitreichende Entscheidungen über ihr Leben trafen, ohne sie zu fragen, immer mit dieser überheblichen Einstellung, dass sie wüssten, was das Beste sei.

Manchmal ist das Leben gemein und in der Zwischenzeit, ist leider klar, dass die medizinischen Grundlagen all dieser Entschidungn leider, leider falsch gewesen waren, weil ihr Fall kein einfacher ist.

Die Behörde weiss von ihrem „Glück“ noch nichts. Aufgrund von falschen, medizinischen Zeugnissen, Behauptungen, Angaben, hat sie leider entschieden, völlig daneben und völlig zu Unrecht.

Jetzt hat sie also diesen Brief auf ihrem Tisch liegen, dass ihr in den engen Grenzen nach schweizerischem Recht Akteneinsicht, höchstwahrscheinlich in Banalitäten gewährt wird. – Vorher soll sie anrufen und ihr Kommn anmelden. Wie im Film mit Julia Roberts kann sie einige Akten, so die denn interessant wären, kopieren. Die meisten Akten kann sie eh nicht einsehen. Datenschutz, sie betreffen die Wegnahme ihres Kindes. Dass sie daran fast verreckt wäre, interessiert niemanden. Sie dankt Gott auf den Knien, dass sie diese Zeit überlebt hat. Und nun weiss frau, dass die medizinischen Beurteilungen der damaligen Zeit ihrem medizinischen Zustand nicht gerecht wurden.

Wenn das Unrecht zuschlägt, dann mit weit ausgesteckter Hand, damit es richtig schön knallt und der Mensch ins Taumeln gerät. Die Behörde wäscht ihre Hände in Unschuld. – Hat jemand je etwas anderes, Ehrlicheres erwartet von seiner Behörde?

 

Mitleid oder Empatie?

Viele behinderte Menschen reagieren allergisch auf Mitleid. Es kann durchaus vorkommen, dass ein Mensch im Rollstuhl von ihm völlig Unbekannten in der Stadt eine Zehnfrankennote zugesteckt bekommt.

An guten Tagen nimmt man solches mit Humor. An weniger Guten grummelt man etwas in seinen nicht vorhandenen Bart und an schlechten Tagen fragt man sich vielleicht – oh Schreck – sogar laut: “ Was soll das?“

Was erstaunt ist, wie wenig sich nicht behinderte Menschen mit dem Thema Behinderung auseinandersetzen. Ob da magisches Denken dahintersteht? Wenn man sich damit nicht auseinandersetzt, erwischt es einen nicht! Dabei sollte sich in der Zwischenzeit herumgesprochen haben, dass die Menschen älter werden, bis sie sterben. Unterwegs sieht man Rollatoren schiebende FussgängerInnen.

Jeder, der lange leben will, wird früher oder später steifer in seinen Bewegungsmöglichkeiten, gibt ab, wie es der Volksmund ausdrückt und wird damit behindert. Allzuschrecklich ist das nicht, aber ganz arg ist, wie einige Menschen darauf reagieren, eben z. B. die, mit dem Zehnfrankenschein.

Ich könnte über die Beweggründe rätseln, warum sowas gemacht wird. Lieber wäre mir, wenn nicht behinderte Menschen die Anstrengung auf sich nehmen würden und sich in die Lage des Rollstuhlfahrers versetzen würden.

Und völlig utopisch ist es, zu hoffen, dass ich es noch erleben werde, dass Menschen mit unsichtbaren Behinderungen ernst genommen werden, man ihnen glaubt, was sie erzählen und sie mit Respekt und Anstand behandelt werden.

 

Der Anfang dieses Textes ist über drei Jahre alt. Mittlerweilen erzähle ich Menschen, die neu in meinen Bekannenkreis kommen: „Wenn ich im Rollstuhl sitzen würde….“, begleitet von passender Gestik. Jeder begreift instinktiv, wie er auf einen Rollifahrer automatisch anders reagiert. Er bekommt sofort die Beisshemmung!

 

 

Klettern, neurologisches Klettern

Vor vielleicht zwei Jahren habe ich mit Klettern begonnen. Fragile Suisse hatte diesen Kletterkurs ausgeschrieben und danach folgten weitere. Nach einem dreiviertel Jahr besuchte ich den Einsteigerkurs für Kletterbegeisterte im Magnet.

Meine neurologische Physiotherapeutin half mir, eine Kletterpartnerin zu suchen. Am liebsten trainieren wir im neu eröffneten O’Bloc.

Ich lerne so viele Bewegungen, die ich in meinem 57 Jahre langen Leben noch nie gekonnt habe. Die neurologische Pysiotherapeutin unterstützt meine praktischen Bemühungen. Der behandelnde Chefneurologe praktiziert im REHAB Basel.

Was bin ich froh, dass die Neurologie solche gewaltigen Fortschritte macht und meine Lebensqualität dadurch verbessert. – Geübt und mich abgestrampelt, um Bewegungen zu erlernen, habe ich mich ein Leben lang. Heute ist das viel einfacher geworden, die Erfolge sind sicht- und messbar.

Neue Kraft

Nach drei Jahren Wegbleiben habe ich heute meinen Blog aus der Versenkung geholt. Langsam fasse ich wieder Pläne für zukünftige Schreibakivitäten.

Mein Blogtitel  leuchtet mir ein: Seine Wahrheit erfährt jedeR, der/die wahrnimmt. – Bei allen von uns anders. Wie heisst es beim Witzeln? – Es gibt eine Wahrheit mehr, als Personen im Raum sind.

Auf eine spannende textreiche Zukunft!

Glücklich bis ans Ende ihrer Tage

„Schön“ ist ein Allerweltswort. Genau solche Worte, die jeder zu verstehen glaubt, führen zu Missverständnissen.

Eine schöne Frau, ein schönes Haus, die Aussicht ist schön; schön bezieht sich auf einen optischen Eindruck.

Akustische Beispiele lassen sich ebenso finden.

Wann ist eine Geschichte „schön“? Sie kann gut recherchiert sein und ist deshalb schön, weil sie detailreich und interessant ist. Sie kann formal schön sein, der Stil und die Wortwahl transportieren den Inhalt genial. Sie kann schön gruselig sein und mit der Decke über den Kopf gezogen, schläft es sich besonders gemütlich. Sie kann so spannend sein, dass am Schluss der Leserin ein erlösender Seufzer entweicht: „Diese Geschichte ist so schön.“ Oder eine Geschichte ist erst dann schön, wenn der Leser gut einschlafen kann, weil die Beziehungen zwischen den Menschen in der Geschichte so wohlig sind, wie in den guten, alten Märchen, wo jeweils steht: „Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.“

Wenn ich eine „schöne“ Geschichte schreiben wollte, dann müsste sie im letztgenannten Sinn schön sein. Möglichst paradiesische Zustände auf Erden finde ich erstrebenswert. Weil die Gedanken der Menschen prägen ihre Denkmuster. Das weiss man aus der Neurologie. Ob sich ein Mensch vorstellt, er esse ein Eis oder er isst es tatsächlich, die ausgeschütteten Belohnungshormone im Hirn sind gleich. Die Wiederholung eines Denkmusters im Hirn prägt es tiefer ein und bei Gelegenheit wird das bekannteste Denkmuster als erstes in die Tat umgesetzt. Wenn wir sagen: „Übung macht den Meister“, meinen wir genau das. Wir trainieren unser Hirn bis es, wie von selbst, die gewünschte Leistung erbringt, weil sich der Ablauf so gut eingeprägt hat.

Also ist daraus zu schliessen, dass, wenn ein Mensch in seinen Gedanken die Harmonie, den Ausgleich und den Frieden sucht, er diese Eigenschaft auch eher in die Tat umsetzen kann, als ein Mensch, der sich nicht einmal in den Gedanken damit befasst. Das heisst nun nicht, dass wir so menschliche Engel züchten können, aber es heisst, dass es Sinn macht, sich zu überlegen, mit welchen schönen Gedanken wir unser Hirn füttern. Es gibt zweifelsohne auch andere Einflüsse, die wirken und nicht zu unterschätzen sind. Aber schöne Gedanken, wenn es möglich ist und ein Mensch nicht gerade in einer Depression steckt helfen allemal.

„Glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ wurde lange Zeit und wird noch heute von vielen in die Welt der Märchen verbannt und deshalb als überholt angeschaut. Mir sind Märchen Kostbarkeiten und Utopien, die Massstab für mein Leben sind. Es verwundert mich nicht, dass das Wort „schön“ für mich zuerst diesen Inhalt bedeutet. Bevor ich gross überlege, wende ich den Massstab an, den ich aus den Märchenerzählungen mitgenommen habe: „Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.“

Was ich zu fürchten gelernt habe

Es gibt Situationen, in denen es für mich am besten ist, mich so schnell als möglich zu entfernen. Diese Begebenheiten laufen immer gleich ab. Völlig aus dem Zusammenhang gerissen, werden Menschen, die mit mir zu tun haben, aggressiv. Als kleines Kind war ich diesen Erwachsenen ausgeliefert. Ein verletzender Satz lautete: „Wenn du keine(!) Gefühle hast, dann brauch wenigstens deine Intelligenz.“

Die Kindheit ist längst vorbei. Aber bis in die Gegenwart gibt es AggressorInnen. Beliebt ist, meine Behinderung als Anhaltspunkt zu nehmen. In einer psychiatrischen Klinik(!) hat man mich an zwei unterschiedlichen Tagen zum Sündenbock gestempelt, weil ich „an der falschen Stelle“ gelacht habe. Was ein Mensch ohne Hirnverletzung noch knapp unter Kontrolle halten kann, nämlich eine gestresste Situation ohne Ventil zu überstehen, schaffe ich nicht. Ich brauche ein Ventil und oft ist es Lachen. Es gibt auch das Häutchen abziehen an den Fingern und Fingernägel bzw. Kaugummi kauen oder sonst eine Beschäftigung, die Spannung abbaut.

Wenn ich in der selbstgerechten Art zum Sündenbock erkoren werde, brauche ich keine Pfarrerin, die mir die Bibel auslegt. Intuitiv verstehe ich die Worte Jesu: „Herr vergib ihnen, den sie wissen nicht, was sie tun.“ Man merke: Nicht behinderte Menschen dürfen voll aggressiv sein. Sogar sog. Fachleute dürfen sich behinderten Menschen gegenüber unprofessionell verhalten. Aber wehe, wenn der behinderte Mensch schlechte Laune hat, mies drauf ist und sich einen Sündenbock sucht. Das kommt ganz schlecht an und ist verboten. Frei nach dem Spruch: „Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe.“

Letzthin in einem Kurs hat mir die Kursleiterin gesagt, ich würde mich über alle erheben und „in letzter Instanz“ entscheiden, was richtig sei und was falsch. Sie brauchte das Wort „Inquisition“. Mein „Vergehen“: Es war ein Schreibkurs. In einer Geschichte eines anderen Kursteilnehmers hatte mich eine Nebenfigur dazu animiert, die Figur zu nehmen und zu ihr eine Geschichte zu erfinden. Wir hätten alle keine Literatur, wenn nicht ständig Themen aufgegriffen, neu gestaltet, anders geschrieben würden.

Für alle, die gern etwas zum Lachen haben: Der Witz ist, dass diese Nebenfigur in der Originalgeschichte sehr einsam war. Ich habe sie in meiner Geschichte in die Gesellschaft integriert. Inklusion nennt sich das. – Wenn das nicht einmal auf dem Papier erlaubt wäre, dann könnte die gesamte Behindertenbewegung, die über Inklusion nachdenkt und sie fordert, einpacken. Aber das tun wir nicht. Wir sind da und bleiben ein Teil dieser Gesellschaft, auch wenn einige Mit- oder Gegenmenschen sichtlich Mühe haben, damit umzugehen.