In der Schweiz gibt es solche Menschen. Sie fallen irgendwann dadurch auf, dass sie neben verblüffendem Gedankengut, was sie pflegen, was in einer Demokratier erlaubt ist, sich weigern, die Steuern zu zahlen.
Sie ziehen nicht weg, wandern aus, in einen Staat, der ihren Vorstellungen entspricht oder kaufen sich eine Insel. Nein, sie wohnen in einem Staatsgebiet von dem sie behaupten, es gäbe es nicht.
Menschen können alles denken und noch viel mehr. Auffällig in dem Fall ist die Verweigerung von jeglicher Solidarität, die Infrastrukturen werden selbstverständlich in Anspruch genommen, bloss andere sollen dafür via Steuern bezahlen.
Solidaritätsverweigerung ist heute völlig in. Die gibt es in milderer Form auf allen Ebenen. In der Schweiz mit Reformstau, Krankenkassenprämien, AHV/IV, Steuern bezahlt niemand gerne, bloss ohne Steuern keine Infrastruktur.
Alle wollen alles haben, die Linke will Geld ausgeben, was die Rechte gefälligst erwirtschaften soll etc. etc. Mir kommt es immer vor wie eine verweltlichte Version paradiesischer Zustände, das irdische Leben ist nie gerecht. Gerade wir sog. Geburtsgebrechen können in der Schweiz ein Lied davon singen.
Sämtliche Kinder, die punkto Geschlecht den Wunschvorstellungen der leiblichen Eltern nicht entsprachen, eine gängige Praxis in meiner Generation, willkommen auf der Erde, der Himmel und das Paradies sind weit weg.
Das Lob der tüchtigen Hausfrau, wird bis heute gesungen, ich habe viel Zeit mit putzen, kochen, Wäsche waschen, bügeln, aufräumen etc. vergeudet, was nicht meinen Begabungen entspricht, heute in extremis ineffizient ist, wenn ich auf dem Boden rumrutsche und staubsauge, weil ich nicht stehen bleiben kann.
Die Realität ist und bleibt die Realität, die Freiheit in einer Demokratie ist erstaunlich gross auch für den Mittelstand, während die finanziell Schwachen, also die Armen, dem Verdienst nachgehen müssen, um überhaupt die Rechnungen bezahlen zu können. In welchem Staat ist das anders?
Wer arbeitet oder gearbeitet hat, wer darüber die Gesundheit verlor, was oft auf dem Bau vorkommt, wer unverschuldet in eine Notlage kommt, dann klar, Solidarität. Aber die Solidarität hört da auf, wo irgendwelche Menschen, das System begriffen haben und sich weigern, arbeiten zu gehen.
In der Schweiz ein klassisches Missverständnis, was Sozialhilfe beinhaltet, was reine Schulden sind. Der Staat schenkt Sozialhilfe EmpfängerInnen kein Geld. Es sind angehäufte Schulden, die in besseren Zeiten zurück bezahlt werden müssen.
Kaum jemand begreift das System. Es gibt immer mal politische Vorstösse, Sozialhilfe zu besteuern. Diese Vorstellung hebelt das gesamte System aus. In der Regel wird die Steuerbelastung durch Schulden tiefer nicht höher. Die Annahme, Sozialhilfe werde nie zurückerstattet und deshalb sei sie wenigstens zu besteuern, ist ein gedankliches Luftschloss, das ich gerne in einer Statistik überprüft hätte: Wieviel Sozialhilfe wird pro Jahr bezahlt und wieviel Sozialhilfegeld wird pro Jahr zurück bezahlt.
Was ist Solidarität und wo hört sie auf? Solidarität kann ein Fass ohne Boden sein, gerade Suchtkranke sind sehr teuer in der Schweiz, weil sie oft nicht von ihrer Sucht loskommen, wovor die Gesellschaft die Augen verschliesst. Die ultimative Therapie ist nicht erfunden, die Solidarität übergross, die Selbstverantwortung ganz klein.
Niemand kann Teenies überwachen, damit sie nicht in die Suchtfalle laufen. Man kann als Eltern warnen, abraten, aber in der Praxis, wo immer die Versuchung stattfindet, dieses oder jenes auszuprobieren, sind die Teenies auf sich alleine gestellt. Die meisten schaffen es, einige bleiben auf der Strecke. Im Paradies schaffen es dann alle und niemand bleibt auf der Strecke.
Welches Denken steckt hinter welchen Handlungen und wo, an welchem Punkt ist der Staat in seinem Handeln oft viel zu spät konsequent?
Ohne Eigenverantwortung der BürgerInnen geht es nicht in der Staatsform Demokratie. Keine Einzelperson, kein König, noch Kaiser, noch Diktator gibt vor, was alle zu denken haben.