Spix im neuen Heim

Spix mein kleines Hauskatzenraubtier verhält sich in meiner neuen Wohnung allerliebst. Bin ich weg gewesen und komme zurück, dann ist sie oft an der Wohnungstür oder schaut umgehend vorbei. Will ich schlafen, kommt sie auf mein Bett und sagt „Gute Nacht“. Sogar wenn ich dusche, kommt sie ins zugegebenermassen grosse Badezimmer und hört eifrig mit. Wasser hasst sie für sich selbst. Nasse Pfötchen sind wäh.

Bin ich im Wohnzimmer thront sie auf meinem bequemen Sessel und will ich auf den, dann muss ich mich liebevoll durchsetzen.

Übrigens kann Spix auch stricken, nicht unbedingt so, wie ich, aber ihre Strickarbeit war ziemlich umfassend und ich gebührend beeindruckt.

Den Balkon hat Spix voll im Griff. Per Futterbelohnung zeige ich ihr, wie hoch sie steigen darf und ab wo ich Angst kriege.

Einmal ist sie innen auf eine Fensterbrüstung gehüpft bei geschlossenem Fenster und hat sich die Gegend angeschaut, allerliebst.

Sie hat nach viel Üben gelernt aus der Fresskugel ihr Trockenfutter zu beziehen, eine Beschäftigung, die wichtig ist, weil sie im 5. Stock wohnt und nicht eben rasch mal raus kann. Leider hat sie ein Steckköpfchen und ich kann sie in freiem Gelande nicht abrufen, sonst hätte ich sie später rauslassen können. Wenn sie aber nicht zurückkommt, traue ich mich das nicht.

Im Altersheim habe ich ebenerdig gewohnt. Da blieb sie die ganze Nacht draussen und wenn sie bereit war zurückzukommen, pflegte sie zu miauen. Unnötig zu erwähnen, dass ich teilweise Blut geschwitzt habe. Sie war mir anfänglich im Altersheim entlaufen, als ich sie angeleint spazieren führen ging und dachte, dass das sicher sei und für sie spannend. 2 1/2 Monate war sie weg, ich konnte nichts unternehmen in meinem damaligen Gesundheitszustand, das Heim half mir nicht, z. B. ANIS dem Chipservice anzurufen. Nur durch Zufall und eine sehr freundliche Person kam Spix zu mir zurück. Unfreundliche Personen hatten sie schon adoptiert und bei ANIS umgeschrieben. Diese legten dann im Altersheim mir eine Szene hin, dass alle Mithörenden nur die Köpfe schüttelten. Natürlich gab ich Spix nicht raus.

Spix ist ganz einfach Spix und viele ihrer Einfälle sind für mich ein Abenteuer.

Die dargebotene Hand 143

Okay, ich bin müde, der Tag ist gelaufen, ich wohne allein und hätte das Bedürfnis mit jemandem zu sprechen. Ich wähle 143, das Telefon wird abgenommen, Sprache Berndeutsch, und sogleich wird mir erklärt, frau sei in einem Gespräch und habe keine Zeit, das Telefon wird beendet.

Soll ich für blöd verkauft werden? 143 ist eine schweizweite Nummer und jeder Anruf kann weitergeleitet werden, was angesicht des Personals in Bern dringend angezeigt ist. Ich habe einschlägige Erfahrungen.

Jetzt sitze ich wieder da und kann ja mit einer meiner weissen Wände kommunizieren oder hier. Da kann mich keineR abmurksen.

Mich beschäftigt, dass ich einen Versuch gestartet habe, mich zu wehren. Betrifft zwei ärztliche Fehlbehandlungen und das Altersheim, das in eine externe ärztliche Behandlung eingreifen wollte. Halb bin ich stolz, dass ich mich getraue und halb habe ich Bammel, das ich einmal mehr nicht zu meinem Recht komme.

Die Frage, wie ich zu einem Austausch mit Menschen komme, ein urmenschliches Bedürfnis, ist ungeklärt und entsprechend meiner Situation extrem schwierig zu lösen.

Nachtrag 18.55 Uhr: Ich habe nochmals die 143 versucht und bin in der Innerschweiz gelandet. Das Gespräch war sehr gut, hat mich getröstet, ich konnte sogar etwas weinen.

Schlafmangel abgewendet

Menschen, die so leben müssen wie ich, haben einen kleinen Spielraum, was ihre Gesundheit betrifft. Zwei Nächte mit zu wenig Schlaf sind bereits höchst gefährlich. Muss ich speziell erwähnen, dass sich solche Dramen in der Regel aufs Wochenende zuspitzen? Diesesmal fings anfangs Woche an, der Schlaf vorher war nicht besorgniserregend, aber auch nicht besonders gut und dann gings richtig los: Nur vier Stunden Schlaf. Das ist gefährlich. Also nahm ich mein vertrautes Schlafmittel. Resultat: vier Stunden Schlaf. Tag: Freitag, also gleich Wochenende. Wider mein Verständnis ist der behandelnde Neuropsychiater weder über Mail noch über Tel.beantworter erreichbar. Natürlich habe ich mich gefragt, wieviel Zeit ich ihm für eine allfällige Antwort lassen muss.

Gestern Vormittag mein Entscheid, dass ich es mir gegenüber nicht mehr verantworten kann: Notarzt anrufen. Die erste Nummer nimmt keine Prepaidkunden. Die zweite Nummer kenne ich schon, eine kompetente, fürsorgliche Ärztin hat mir da schon einmal geholfen. Gestern wieder. Auf die Medikamentenkombination wäre ich nicht gekommen. Sie hat es gebracht. Diese Nacht genügend Schlaf.

Ich beschreibe diese Abläufe nicht weil ich sie besonders spannend finde, aber weil sie aufzeigen, wie displiziniert und in engen Grenzen ich leben muss, damit meine Situation nicht eskaliert.

Eskalation bedeutet Polizei, allenfalls Handschellen, Zwangseinweisung in die Psychiatrie und KESB. Wenn mein Kopf zu wenig Schlaf bekommt, dann drehe ich durch und darin bin ich sehr laut und kreativ.

Für mich ist das der ganz normale Wahnsinn. Die meisten Menschen bekommen riesengrosse Augen, wenn zufällig auf ihre Fragen antworte. Also Menschen wie ich sollten nie auf Fragen antworten, weil das Gegenüber in den meisten Fällen mit einer klaren Antwort überfordert ist. Ich habe bis heute nicht begriffen, warum sie überhaupt fragen.

Entmündigung ohne Berechtigung

In der CH gibt es einen Landvogt und der heisst KESB. Jede Person kann in die Fänge der KESB geraten und wer sich für das Ausmass der Einmischung in das Privatleben eines CH Menschen interessiert, kann den Begriff googeln.

Ich bin zutiefst erschüttert, dass die CH in unserer Zeit eine solch entmündigende Gesetzgebung kennt und anwendet. Die KESB ist nicht unbestritten und ich hoffe immer, das die entsprechende Gesetzgebung angepasst wird.

Okay, natürlich war ich in den Fängen der KESB, zwangseingewiesen in die Psychiatrie, den unfähigen Fachpersonen völlig ausgeliefert. Der behandelnde Psychologe hat bestimmt, dass ich als nächstes in ein Heim müsse. Es handelte sich um ein angesehenes Altersheim in Bern. Ich wurde weiterhin entmündigt bei der Medikamentenabgabe und -einnahme. Schon das finde ich eine Frechheit, ich bin weder dement noch geistig behindert und voll selbst handlungsfähig und -berechtigt. Das Medikamentencocktail war völlig unangemessen, was mir seit Januar, als es begonnen wurde klar und bewusst war. Es wird logischerweise momentan verändert und angepasst, genau in der Richtung wie ich es immer verlangt habe.

Es trat der Fall ein, dass ich ein Schlafmedikament dringend brauchte. Der Heimarzt war nicht bereit das mir bekannte Medikament zu verschreiben, vergleiche „schlechter Arzt“. Da ging ich zu einer Notfallapotheke. Die dort behandelnde Ärztin war sehr freundlich und überbrückte den Notfall. Heute musste ich sie leider erneut kontaktieren. Es ging wieder um Schlaf. Im Gespräch meinte sie, das Altersheim habe in die Praxis angerufen nach meinem letzten Besuch.

Was bildet sich dieses Altersheim ein, wer es ist?!

Ärztliche Selbstüberschätzung

„Sie sind ein schlechter Arzt“, sagte ich dem Hausarzt im Altersheim, der in Windeseile mir mein Schlafmedikament entziehen und mir was anderes verschreiben wollte. Wie arrogant muss ein Allgemeinpraktiker mit Schwerpunkt Geriatrie sein, dass er meine hochkomplexe Situation in 10 Minuten adäquat erfassen können will. Er hat nicht mit mir gesprochen, sondern hintenrum mit der Pflegeteamleiterin über mich. Dumm bin ich nicht.

In der CH sind die ÄrztInnen so gut geschützt, dass ich mir sowas bieten lassen muss, mich nicht wehren kann. Was ich allerdings konnte ist eine Notfallpraxis aufsuchen und die gab mir das von mir geforderte Medikament, weil meine Hausärztin in den Ferien weilte. Glück gehabt.

Weniger Glück hatte ich in der Begegnung mit fast allen Psychiatriekliniken meines Heimatskantons, die samt und sonders nicht berücksichtigen, dass ich eine Cerebrale Parese habe. Mein jetziger behandelnder Neuropsychiater sagt, dass ein Medikament, das ich über 8 Jahre verschrieben bekam, nicht gegen Depressionen wirkt. Auch ambulante PsychiaterInnen machen den gleichen Fehler wie die Kliniken.

Ich kann nicht auf die Schnelle wegstecken, dass mir damit 8 Jahre meines Lebens geraubt wurden, was ich seit wenigen Wochen weiss. Die Lebensqualität war grässlich und ist es bis heute geblieben, bis auf die relativ kurzen Zeitfenster in denen ich aktiv sein kann.

Also sitze ich auf meinem Stühlchen und überlege mir, wie ich mit einem solchen Verlust umgehen lernen könnte. Die Theorie beherrsche ich, dass ich die Vergangenheit nicht ändern kann. Meine Gefühle interessieren sich keinen Deut für solche Spitzfindigkeiten. Also rede ich mir gut zu: Es ist eine schwierige Aufgabe, nimm dir Zeit, vielleicht kannst du etwas weinen, wenn es dir zuviel wird, lenk dich ab, freu dich heute im Hier und Jetzt.

Geh zum Psychiater!

Sehr oft bzw. immer wenn Menschen mit meinem Leben überfordert sind, kommt diese Aufforderung, „Geh zum Psychiater“.

Mittlerweilen grinse ich innerlich und das hat folgende Gründe:

  • Ein Psychiater bietet eine bestimmte Dienstleistung an. Wer den Inhalt nicht kennt, kann sich selbst schlau machen.
  • Wer überfordert ist, braucht selbst einen Psychiater.
  • Danke der Nachfrage, ich bin umgeben von den fachspezifischen ÄrztInnen und nein, da fehlt es garantiert nicht, ausser den Kuhpfuschern, die sich selbst überschätzen und mich als Versuchskanninchen missbrauchen, die sind mir in Hülle und Fülle auf meinem Leidensweg begegnet.
  • Menschen mit Hirnverletzungen brauchen Neuropsychiater, in der CH eine seltene Dienstleistung.

Leidenswendend hier und heute ist die Arbeit von zwei kompetenteN SozialarbeiterInnen und einer gewieften Umzugsfirma, spezialisiert auf verwahrloste Wohnungen. Bei ihr kann ich die Dienstleistung der Frau für alles einkaufen.

Neuanfang

Lange habe ich nicht geschrieben. Dies bedeutet, dass ich gesundheitliche Schwierigkeiten habe.

Gegenwärtig ist bei mir alles neu: Die Wohnung, die Begleitung durch drei Fachpersonen, von denen zwei sehr geholfen haben, damit ich persönliche Assistenz (CH IV Fachbegriff) bekomme, endlich. Also ich muss in der CH nicht verdursten und verhungern,was ich in Teilen schon durchlitten habe, sprich mehrmals 10 kg Gewichtsverlust und Blasenentzündungen, ausgelöst durch Flüssigkeitsmangel, in einer verwahrlosten Wohnung, um das „Wohlfühlprogramm“ perfekt zu machen. Ich weiss, warum ich ganz laut geschrien habe.

Endlich wird meine Gesundheit zum Nennwert genommen. Da ich eigentlich überleben und leben will auf einem tolerierbaren Niveau, trotz all meiner Einschränkungen, bin ich sehr froh und freue mich.

Z. B. habe ich heute einen Reparaturauftrag aufgegeben und falls ich ausfallen sollte, wird er weiterbehandelt. Andere Beispiele von heute: Dentalhygienikerin morgen und neuer Standplatz für meinen Wohnwagen begonnen zu suchen. Unnötig zu erwähnen, dass diese Aufgaben über 1 1/2 Jahr liegen geblieben sind. Es gibt Menschen, die mir jeweils Geduld empfehlen. Nun ja, wenn mann bzw. frau normal funtionieren, haben sie keine Ahnung, wie oft und wie lange ich mit mir Geduld haben muss.

Neu habe ich eine Frau für alles, was nebst den üblichen Reinigungsarbeiten bedeutet, dass sie meine Augsbrauen pflegen kann und mir Ohrstecker in die Ohren steckt, für mich sagenhafter Luxus.

Heute habe ich einen Energiestand, den ich als normal bezeichne: Eine Aufgabe ins Auge fassen und erledigen. Wie lange habe ich darauf gewartet?! So ist es einfach zu leben. Schade, dass es höchstwahrscheinlich nicht so bleiben wird. Wegen dieser Erfahrung erlebe ich meine guten Zeiten desto intensiver.

 

Berner Tempo

So rasch bin ich das PZM nicht los noch die KESB der Bernburger. Diese Institutionen nehmen sich extrem wichtig und in ihrer Uneinsichtigkeit und Schwerfälligkeit sind sie kaum zum aushalten.

Knastfreuden sind ein WE alleine unterwegs sein zu dürfen inklusive Übernachtung. Das bedeutet selbstbestimmt essen und trinken, eigener Tagesrhythmus und ich habe mir einen lustigen Film angesehen. Am zweiten Tag bin ich zu meinem Wohnwagen und habe ihn bei gruseligem Wetter geradegestellt, noch nicht mit der Wasserwage, aber aus dem Bett falle ich nicht.

Auf dem Campingplatz hat es ein Minirestaurant mit Fumoir und frau hat so ein Wohnzimmer mit Gästen je nach Lust und Laune. – Cool.

Jetzt muss ich warten, was die KESB BE weiterentscheidet. Da ich völlig normal bin, müssen sie mich irgendwann freilassen in meinen Wohnwagen. Im Wohnwagen wohnen ist nämlich kein Delikt!

Der Wohnwagen steht

Der Wohnwagen steht, dort wo ich ihn vor den Toren Berns stehen haben will. – Jetzt beginne ich zu fiebern und zu überlegen, wie ich nächstes WE dorhin gelangen kann. Mal selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden! DAS wäre ein Sondergenuss, den ich mir reichlich gönnen tue.

Würde man mich lassen, könnte ich mir mein Leben super einrichten! An Phantasie fehlt es mir nicht und ich spüre genau, was ich möchte, bzw. die Gesellschaft von mir verlangt.

Auto fahren

Das Auto fahren wird weiterhin auf sich warten lassen. Angeblich völlig mediunabhängig, einfach weil ich in einer Psychiatrie sei. Wie soll ich da je nur annähernd über die Anstaltsgrenze rauskommen, wenn ich so schlecht zu Fuss bin? – Immer Taxi oder was? Soooo reich bin ich dann auch wieder nicht, dass ich mir pro Ausflug noch 50.- bis 70.-SFr Transportkosten für einen Weg einfahren kann. „Die spinnen, die Römer!………“

Mich ärgert es auch ständig Barrieren vor die Nase geknallt zu kriegen und dann diesen süffisanten Unterton: Ich würde mit meiner CP alles entschuldigen. – Längst hole ich mir nur noch mein Essen und verräume es nachher nicht mehr. Ich bin nicht ein Dreikäsehoch, der von jungen Erwachsenen auf Leistung getrimmt werden soll: Trag, trag, schlepp, schlepp……… Wenn irgendwas, dann soll ich delegieren lernen.